Amazon verdient dank Wirtschaftsflaute doppelt so viel
San Francisco (Reuters) - Amazon gehört bislang zu den Gewinnern des wirtschaftlichen Abschwungs.
Wegen der Preisexplosion bei Benzin und Lebensmitteln gehen viele Menschen ins Internet, um beim Einkauf Geld zu sparen, erklärte das Online-Kaufhaus am Mittwoch. Dieser Trend bescherte Amazon im vergangenen Vierteljahr eine Verdoppelung des Gewinns. Hierzu trug aber auch der Verkauf seines europäischen DVD-Verleihs bei.
Anleger waren begeistert und trieben das Papier am Donnerstag in New York 13 Prozent in die Höhe. Die Amazon-Zahlen kamen bei den Börsianern besonders gut an, weil die Geschäfte bei den Internet-Giganten eBay und Google inzwischen nicht mehr so gut laufen wie erhofft.
Amazon erwirtschaftete von April bis Juni einen Netto-Gewinn von 158 Millionen Dollar nach 78 Millionen vor einem Jahr. Allein der Verkauf des DVD-Verleihgeschäfts in Europa spülte im Frühjahr 53 Millionen Dollar in die Kassen. Aber auch abgesehen davon verdiente der Konzern besser als von Branchenexperten erwartet. Der in Seattle ansässige Konzern lockte angesichts des Konjunkturabschwungs in den USA die Käufer im Frühjahr erfolgreich mit Preissenkungen an.
Der Umsatz kletterte um 41 Prozent auf 4,06 Milliarden Dollar. Hier profitierte Amazon auch vom schwachen Dollar, der die Auslands-Einnahmen aufblähte. Im Sommerquartal rechnet der Internet-Einzelhändler mit einem Umsatz von 4,2 bis 4,43 Milliarden Dollar, im Gesamtjahr will er bis zu 20,1 Milliarden Dollar einnehmen und dabei rund 830 Millionen Dollar verdienen.
Branchenexperten zeigten sich sehr zufrieden mit dem Geschäftsverlauf bei Amazon. Sie hoben hervor, dass sich der Konzern im wirtschaftlichen Abschwung offenbar deutlich besser schlägt als die Konkurrenz. Gleichzeitig stellten sie jedoch in Frage, ob der relativ hohe Börsenwert des Konzerns von rund 30 Milliarden Dollar wirklich gerechtfertigt ist. Dies ist 45 mal so viel wie der für dieses Jahr prognostizierte Gewinn. Traditionelle Einzelhändler mit großer Internetpräsenz wie etwa Wal-Mart kosten an der Börse deutlich weniger als das 20-fache des prognostizierten Gewinns.
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