FTD - Wettbewerbsfähigkeit der Euro-Länder driftet auseinander
Berlin, 06. Jan (Reuters) - Wachsende Ungleichheiten bei der Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Euro-Staaten provozieren einem Zeitungsbericht zufolge gefährliche Spannungen in der Währungsunion. "Die anhaltenden Unterschiede bei der Wettbewerbsfähigkeit unter den Mitgliedsländern bei Preisen und Kosten ist zusammen mit dem Entstehen von Leistungsbilanzdefiziten in einigen Ländern ein Anlass zur Sorge", zitiert die "Financial Times Deutschland" (Mittwochsausgabe) aus einer Studie der Volkswirte der EU-Kommission für die Euro-Finanzminister. Die Entwicklung sei "nicht nachhaltig", warnen die Ökonomen. Deutschland sei als einzige große Volkswirtschaft stärker geworden.
Die Kommissionsanalyse zeige, dass der Euro zehn Jahre nach seiner Einführung nicht zu einer Annäherung der Wirtschaftspolitik in den 16 Ländern geführt habe. Hintergrund ist, dass sich die Regierungen zwar den Haushaltsregeln des Stabilitätspakts unterwerfen. In anderen Fragen der Wirtschaftspolitik bleiben sie hingegen souverän und verpflichten sich nur zu unverbindlichen Absprachen. Währungskommissar Joaquin Almunia warne deshalb vor auseinanderstrebenden Kräften in der Euro-Zone und fordere eine strengere Koordinierung wirtschaftspolitischer Entscheidungen.
Besonders beunruhigend sei, dass Deutschland die einzige große Euro-Volkswirtschaft sei, die kaum Probleme bei der Wettbewerbsfähigkeit aufweise und zudem einen sehr großen Leistungsbilanzüberschuss verzeichne. "Deutschland hat seine Wettbewerbsfähigkeit wieder auf das Niveau vor dem Boom nach der Wiedervereinigung gebracht", schreiben die Kommissionsökonomen laut Zeitung. Die Bundesrepublik "ist im Vergleich zu anderen Euro-Staaten heute wettbewerbsfähiger als in den frühen 90er-Jahren". In die gleiche Liga ordne die Studie nur die Niederlande, Finnland, Luxemburg und Österreich ein. Eher gelassen sehe Brüssel auch die Lage in Zypern, Malta und Slowenien. Leistungsbilanzüberschüsse entstehen, wenn Länder deutlich mehr exportieren als importieren.
Der Spitzengruppe um Deutschland stünden die drei anderen großen Volkswirtschaften Frankreich, Italien und Spanien zusammen mit den restlichen kleineren Mitgliedsländern gegenüber. Besonders drastisch seien der Absturz bei der Wettbewerbsfähigkeit und der Anstieg des Leistungsbilanzdefizits in Spanien, schreibt das Blatt weiter. Ähnlich dramatisch sei die Lage in Portugal und Griechenland.
(Reporter: Birgit Mittwollen; redigiert von Andreas Kröner)
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