Kreise - Swiss Life bremste AWD-Chef bei Übernahmeplänen

Donnerstag, 14. August 2008, 17:24 Uhr
 

Frankfurt, 14. Aug (Reuters) - Der Versicherungskonzern Swiss Life(SLHN.VX: Kurs) hat Kreisen zufolge dem AWDAWDG.DE-Chef Carsten Maschmeyer bei der Übernahme des Finanzmaklers MLP(MLPG.DE: Kurs) das Ruder aus der Hand genommen. Die Schweizer hätten Maschmeyer den von ihm heimlich zusammengekauften Anteil an MLP in Höhe von knapp 27 Prozent abgekauft, um Ruhe in die Sache zu bringen, sagten mehrere mit der Situation vertraute Personen am Donnerstag. Swiss Life sei durch das Vorpreschen des AWD-Chefs irritiert und wolle Maschmeyer nun genauer unter die Lupe nehmen. Daher sei der AWD-Vorstand auf acht Mitglieder von bisher drei vergrößert worden.

"Der Deal wurde maßgeblich von Maschmeyer angestoßen", hieß es aus dem Swiss-Life-Umfeld. Der AWD-Chef wolle den größten Finanzvertrieb in Deutschland schaffen und hätte MLP am liebsten komplett übernommen. Mit der Berufung des Deutschland-Chefs von Swiss Life, Manfred Behrens, als Co-Vorstandsvorsitzenden bei MLP solle Maschmeyer "eingebremst" werden. Eine feindliche Übernahme von MLP werde es mit Swiss Life nicht geben.

"Der Co-Chef ist ein Signal in Richtung Wiesloch, dass es eine langsame und freundliche Annäherung geben soll", sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person. "Wenn das nicht klappt, bleibt es bei der Sperrminorität." Bei den geplanten Gesprächen mit MLP wolle Swiss Life jeden Anschein vermeiden, dass Druck ausgeübt werden solle. Denkbar sei, dass Maschmeyer langfristig in den Verwaltungsrat von Swiss Life wechsele.

Aus MLP-Kreisen verlautete, Swiss-Life-Chef Rolf Dörig habe MLP-Aufsichtsratschef und -Großaktionär Manfred Lautenschläger am Mittwochabend über den Erwerb von Maschmeyers MLP-Aktienpaket informiert. Über Abwehrmaßnahmen gegen Swiss Life als zweiten Großaktionär neben Lautenschläger sei in einer Aufsichtsratssitzung am Donnerstag nicht gesprochen worden. "Der Aussage, dass weitere Aktienkäufe von Swiss Life nur in Absprache stattfinden, wird zunächst Glauben geschenkt, bis das Gegenteil bewiesen ist", hieß es. "Die Giftpillen bleiben vorerst im Medikamentenschrank." Vorrang habe nicht die Abwehr des neuen Investors, sondern das eigene Geschäft. MLP müsse weiterhin seine Unabhängigkeit dokumentieren und die Kundenberater an Bord halten.

In einem Reuters vorliegenden Brief an die Mitarbeiter schreibt AWD-Chef Maschmeyer, das Unternehmen sei auf dem Weg, weltweit die Nummer eins unter den Finanzvertrieben zu werden. Swiss Life habe sein MLP-Aktienpaket erworben, um die "Synergiechancen heben zu können". Der aus AWD, MLP und Swiss Life entstehende "Marktgigant" werde auf Kunden, Mitarbeiter, Bewerber und Wettbewerber eine "magnetische Wirkung" haben.

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