EnBW-Chef plant Markteintritt in der Türkei

Dienstag, 22. Januar 2008, 20:00 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Der drittgrößte deutsche Energiekonzern EnBW will mit der Beteiligung an Kraftwerksprojekten in den türkischen Markt einsteigen.

"Wir schauen uns intensiv die Türkei an und sind im Gespräch mit möglichen Partnern", sagte EnBW-Chef Hans-Peter Villis am Dienstag in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Der Konzern sei sowohl an dem Neubau von Wasser- und Kohlekraftwerken als auch an einer Beteiligung an bereits bestehenden Anlagen interessiert. Er peile eine Entscheidung in den nächsten zwei Jahren an. Villis erklärte zudem, dass EnBW seine Beteiligungen an Stadtwerken in Deutschland ausbauen wolle. Hier gebe es auch kartellrechtlich noch Spielraum.

"Die Türkei boomt, wächst und sucht noch Partner", sagte der seit Oktober amtierende Vorstandschef des Karlsruher Unternehmens. Bei den möglichen Partnern handele es sich nicht in erster Linie um Energieunternehmen, sondern etwa Baufirmen, die auf die Erfahrungen von EnBW im Energiegeschäft setzten. Eine Beteiligung an einen türkischen Versorger stehe nicht auf der Agenda, sagte Villis. Priorität habe der Bau neuer Anlagen. Auch in Ungarn und Tschechien wolle EnBW sein Wachstum vorantreiben. Der Markt in Russland sei interessant, an den gegenwärtigen Versteigerungen von Erzeugern beteilige sich EnBW aber nicht.

ENBW PRÜFT BETEILIGUNG AN STADTWERKEN SAARBRÜCKEN

Auch in Deutschland schaut sich EnBW nach Zukaufsmöglichkeiten um. "Das Unternehmen hat sich intensiv mit Wachstumsmöglichkeiten beschäftigt", sagte Villis. Die kartellrechtichen Hürden seien für EnBW in Deutschland nicht so hoch wie bei E.ON und RWE. "Wir sind nicht Teil des Duopols." EnBW hatte sich an dem Bieterverfahren um die Stadtwerke Leipzig beteiligt, aber den Kürzeren gezogen. Er habe keinen Hinweis, dass eine Beteiligung beim Kartellamt auf Ablehnung gestoßen wäre, sagte Villis. EnBW prüfe derzeit eine Beteiligung an dem zum Verkauf stehenden Minderheitsanteil an den Stadtwerken Saarbrücken. Der Konzern ist in Deutschland an rund 40 kommunalen Versorgern beteiligt, er hält unter anderem die Mehrheit an den Stadtwerken Düsseldorf.

Auch eine enge Zusammenarbeit mit dem Oldenburger Versorger EWE sei weiter ein Thema. "Wir sind daran interessiert", sagte Villis. "Es wäre schön, wenn wir mit EWE kooperieren könnten." Gespräche darüber gebe es aber derzeit nicht. Auch EWE - der fünftgrößte deutsche Versorger - ist einer erklärtermaßen engeren Kooperation mit EnBW nicht abgeneigt.

- von Tom Käckenhoff und Peter Dinkloh -