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Ausland | Sonntag, 23. Dezember 2012, 13:57 Uhr

Verletzte bei Protesten gegen Vergewaltigungen in Indien

Neu-Delhi Die Massenproteste gegen die Gruppenvergewaltigung einer jungen Frau in Indien sind eskaliert.

Die Sicherheitskräfte gingen am Sonntag in Neu-Delhi mit Schlagstöcken und Tränengas gegen Tausende Menschen vor, die wie am Vortag in einem Protestmarsch zum Präsidentenpalast ziehen wollten. Die Regierung bemühte sich, die Demonstrationen im Keim zu ersticken und verbot Ansammlungen von mehr als fünf Personen. Dennoch schwoll die Menge nach Polizeiangaben bis zum Nachmittag auf mehrere Tausend Menschen an. Bei Zusammenstößen wurden Klinikangaben zufolge bis zu 35 Menschen verletzt, darunter auch mehrere Polizisten.

Die 23-Jährige war in der vergangenen Woche Opfer eines besonders brutalen Gewaltverbrechens geworden: Sie wurde etwa eine Stunde lang von mehreren Männern in einem Bus vergewaltigt, geschlagen und dann aus dem fahrenden Wagen auf eine belebte Straße in der Hauptstadt geworfen. Sie erlitt dabei lebensgefährliche Verletzungen. Sechs Männer wurden festgenommen.

Das Verbrechen löste landesweit Empörung und Proteste aus. Obwohl das Innenministerium zu Zurückhaltung aufrief, wurden in immer mehr Städten Mahnwachen, Demonstrationen und Protestmärsche organisiert - vorwiegend von Studenten. Auch am Sonntag gingen erneut zahlreiche Menschen auf die Straße, darunter auch Hausfrauen und Kinder. Sie forderten mehr Schutz vor Vergewaltigungen. Einige Demonstranten verlangten sogar die Todesstrafe für Vergewaltiger. Aus der Menge wurden Flaschen auf Polizisten geworfen. "Nieder mit der Polizei" wurde skandiert.

Die Chefin der regierenden Kongress-Partei, Sonia Gandhi, suchte am Sonntag wie schon am Samstagabend erneut das Gespräch mit Demonstranten. "Sie sicherte uns Gerechtigkeit zu", berichtete einer der Studenten über das Treffen. In der Menge wurde aber auch der Ruf "Nieder mit Sonia Gandhi" laut. Am Sonntag erschien Sonia Gandhi in Begleitung ihres Sohnes Rahul, in dem viele den künftigen indischen Ministerpräsidenten sehen.

In keiner anderen indischen Großstadt werden so viele Sexualverbrechen gemeldet wie in der 16-Millionen-Metropole Neu-Delhi. Im Schnitt wird nach Polizeiangaben alle 18 Stunden eine Frau vergewaltigt, andere sexuelle Übergriffe werden alle 14 Stunden registriert. Seit dem jüngsten Verbrechen hat die Polizei eine verstärkte Streifentätigkeit vor allem im Berufsverkehr und in den Vergnügungsviertel zugesagt. Außerdem sollen Schnellgerichte zur Ahndung von Sexualverbrechen eingerichtet werden.

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