15. November 2013 / 06:59 / vor 4 Jahren

Japan stampft Klimaziele nach Fukushima-Unglück ein

Gelesen in 4 Minuten

Tokio/Warschau (Reuters) - Japan hat seine Klimaschutzziele als Konsequenz aus der Fukushima-Katastrophe drastisch gesenkt.

"Weil keiner unserer Atommeiler mehr am Netz ist, war das unvermeidlich", erklärte Umweltminister Nobuteru Ishihara am Freitag. Bisher war Japan einer der Vorreiter des Klimaschutzabkommens von Kyoto: Die Regierung in Tokio hatte sich verpflichtet, ihren Ausstoß an Treibhausgasen bis 2020 um 25 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 zu drosseln. Neues Ziel ist es nun, die Emissionen bis 2020 um 3,8 Prozent im Vergleich zum Jahr 2005 zu reduzieren. Im Vergleich zu 1990 entspricht dies einem Anstieg um drei Prozent.

Klimaschützer befürchten, dass der Entschluss eine verheerende Signalwirkung für die Klimaschutzbemühungen anderer entwickelter Länder haben wird. "Er könnte den Wettstreit um die niedrigsten Klimaziele weiter anheizen", warnte die Umweltschutzorganisation WWF.

Bei der UN-Klimaschutzkonferenz in Warschau sorgte Japans Eingeständnis für Verärgerung. "Ich kann mein Entsetzen gar nicht in Worte fassen", sagte Chinas Chefunterhändler Su Wei. In Warschau verhandeln derzeit die Vertreter von rund 190 Ländern über ein globales Klimaschutz-Abkommen, das 2015 verabschiedet werden soll. Trotz Warnungen von Wissenschaftlern vor mehr Hitzewellen, Dürren, Überschwemmungen und einem steigenden Meeresspiegel hat dort bisher jedoch kein größeres Land eine Erhöhung seiner Klimaziele angekündigt. Zuletzt hatte ein starker Taifun auf den Philippinen Tausende Menschen getötet.

DEUTSCHLAND - WÜRDEN ABKEHR JAPANS VON KLIMAZIELEN BEDAUERN

Auch Deutschland zeigte sich enttäuscht. Die Bundesregierung würde es bedauern, falls Japan von seinen Klimazielen abrücken sollte, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Japan habe im Kampf gegen den Klimawandel lange eine Schlüsselrolle innegehabt. Natürlich muss man bedenken, dass das Land nach der Reaktorkatastrophe in einer besonderen Lage sei, räumte Seibert ein. "Aber langfristig kann und sollte jedes Land sich ambitionierte Ziele setzen."

Ein Erdbeben und ein Tsunami hatten im Frühjahr 2011 eine Kernschmelze und Explosionen im Atomkraftwerk Fukushima nördlich von Tokio ausgelöst. Japan, das bis dahin 26 Prozent seines Stroms mit Atomenergie produzierte, nahm nach dem Unglück alle 50 Meiler im Land vom Netz. Regierungschef Shinzo Abe plädiert allerdings für eine Rückkehr zur Atomkraft, um den hohen Energiebedarf des Landes zu decken. Die Reaktoren können jedoch frühestens ab Anfang 2014 wieder angefahren werden - und einige werden wegen Sicherheitsmängeln wohl nie wieder ans Netz gehen.

Japan Verbrennt Immer Mehr Gas Und öl

Um die Einbußen beim Atomstrom wettzumachen, verbrennt Japan zunehmend Gas und Kohle, was die CO2-Emissionen in die Höhe treibt. Im Oktober verbrauchten die zehn japanischen Energiekonzerne nach Industrie-Angaben 8,4 Prozent mehr Gas und 4,4 Prozent mehr Kohle als vor einem Jahr. Möglicherweise dient die Fukushima-Katastrophe Abe jedoch auch nur als Vorwand, um die nach Einschätzung einiger Experten allzu optimistischen Klimaziele seines Landes zu kassieren.

Der Ministerpräsident könnte die Abkehr von den Klimazielen auch nutzen, um Druck auf parteiinterne Kritiker auszuüben, die seine Pläne zum Wiedereinstieg in die Atomenergie ablehnen. Die neuen Ziele basierten auf der Annahme eines völligen Atomausstiegs, sagte Japans Verhandlungsführer Hiroshi Minamibei in Warschau.

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