Schweizer Börse gegen Schluss leicht über Vierjahrestief

Freitag, 10. Oktober 2008, 17:28 Uhr
 

Zürich (Reuters) - Die Schweizer Börse ist am Freitag vorübergehend auf den tiefsten Stand seit rund vier Jahren gefallen.

Im späten Geschäft lösten sich die Kurse aber von den Tiefstwerten, als sich die US-Aktien von einer schwachen Eröffnung erholten und zeitweise in die Gewinnzone vorstiessen. Händler sprachen dabei einem sehr nervösen Geschäft, bei dem es zu panikartigen Verkaufswellen kam. Dabei wurden Aktien aus allen Bereichen verkauft. Die Abgaben erstreckten sich zunehmend aber auch auf andere Anlageklassen wie Anleihen und Rohstoffe.

Der SMI verlor zu Beginn fast neun Prozent und sank bis auf 5265,86 Punkte, den tiefsten Stand seit August 2004. Zuletzt notierte er noch um 5,5 Prozent tiefer auf 5482 Punkten. Der breite SPI büsste 5,2 Prozent auf 4585 Zähler ein.

"Ein veritabler Schlussverkauf", sagte ein Händler und hoffte, dass dies nun der erwartete Ausverkauf gewesen ist, nach dem sich das Geschehen endlich beruhigen könne. Hoffnung ruhen auch auf dem Treffen der IWF-Mitgliedstaaten und der G7-Länder vom Wochenende in Washington.

Dafür, dass der Boden bald gefunden sein könnte, spricht laut Händlern, dass die Aktien, auch die defensiven und sicher geltenden Pharmawerte Novartis und Roche sowie die Aktie des Nahrungsmittelriesen Nestle, fast zu jeden Preis verkauft wurden.

So mancher institutionelle Anleger, der sich bisher noch zurückgehalten habe, waren unter Umständen nun auch zu Verkäufen gezwungen. Das gilt nach Angaben eines Verbandssprechers allerdings nicht für Pensionskassen, selbst wenn sie im Einzelfall in Unterdeckung geraten sind. Sie sind auch in einem solchen Fall nicht verpflichtet, Aktien zu verkaufen. Die Kassen begreifen sich als langfristige Investoren und wollen sich, wie ein Sprecher sagte, die Chance nicht verbauen, von einer langfristigen Erholung zu profitieren.

Die grössten Einbussen verbuchten die Titel des Dentalimplantatherstellers Nobel Biocare. Das Unternehmen hatte am Vorabend eine weitere Gewinnwarnung ausgegeben. Der Titel stürzte zeitweise um 40 Prozent ab und lag zuletzt noch um 25 Prozent tiefer auf 21,70 sfr. Mitbewerber Straumann kam mit einem Minus von zehn Prozent etwas weniger unter die Räder.

Bei den Banken führte die Credit Suisse-Aktie die Verlierer an. Sie brachen um elf Prozent ein. Händler erwähnten grosse Verkäufe aus dem Ausland und über derivate Instrumente. Zudem könnte der Titel auch noch unter Anschlussverkäufen leiden, nachdem in einem Bericht der "NZZ" vom Donnerstag geheissen hatte, Credit Suisse könnte das dritte Quartal mit einem Verlust abgeschlossen haben. Dagegen habe sich die UBS-Aktie mit einem Verlust von 3,35 "schon richtig gut gehalten", hiess es.

Und Julius Bär, die am Wochenenfang massivst unter die Räder geraten waren, legten gar 4,5 Prozent zu. Händler sprachen von einem "short squeeze", der die Aktei nach oben gezogen habe.

Auch die Versicherungen sackten um sechs bis zwölf Prozent ab. Zurich, die schon am Vortag neun Prozent verloren hatten, sackten um weitere zwölf Prozent ab. Der Kurs von Swiss Re wurde um 9,5 Prozent zurückgestutzt. Verschiedene Banken hatten die Kursziele für Versicherungsaktien zum Teil deutlich reduziert.

Unter den Befürchtungen, dass die Finanzkrise auch zu einer Kreditklemme führen und damit die Unternehmen sich nicht mehr mit Fremdkapital finanzieren könnten, litten vor allem zyklische Aktien wie etwa ABB, Sulzer, Fischer und andere. Anlagenbauer müssen zum Teil grosse Investitionen vorfinanzieren.