Europas Bankwerte rutschen nach UBS-Zahlen und Hilfen für RBS ab

Dienstag, 3. November 2009, 17:38 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Angesichts enttäuschender Geschäfte bei der Schweizer Großbank UBS und einschneidender Veränderungen bei den britischen Geldinstituten RBS und Lloyds haben Anleger am Dienstag Bankaktien in großem Stil verkauft.

Der europäische Branchenindex rutschte um knapp vier Prozent ab und damit deutlich stärker als der Gesamtmarkt.

"Für jede Bank, die in irgendeiner Art und Weise auf das Privatgeschäft oder den Mittelstand fokussiert ist, ist das gerade eine schlechte Zeit. Die Gefahren sind fühlbar und real und könnten zu einem deutlichen Effekt in der Zukunft führen", sagte Marktstratege David Morrison von GFT Global in London.

Seit Beginn der Aktienmarktrally Anfang März hat der Bankensektor knapp 150 Prozent gewonnen und sich damit in Europa am besten entwickelt. Der breit gefasste Europa-Index DJ Stoxx 600 hat in diesem Zeitraum rund 50 Prozent gewonnen.

Besonders groß war der Vertrauensverlust nun bei der Royal Bank of Scotland (RBS), deren Aktienkurs am Dienstag um fast zehn Prozent abrutschte. Über ein Sicherungsprogramm pumpt Großbritannien weitere 28 Milliarden Euro in die Bank - nach Aussage von Finanzminister Alistair Darling die einzige Möglichkeit, das Institut zu stabilisieren. Im Zuge einer gewaltigen Neuordnung am britischen Bankenmarkt muss die RBS - genau wie Lloyds - auf Druck der Regierung und der EU Beteiligungen verkaufen. Dennoch fiel der Kursverlust von Lloyds mit 1,5 Prozent vergleichsweise gering aus. Händlern zufolge werteten Anleger positiv, dass Lloyds mit einer Rekord-Kapitalerhöhung über knapp 15 Milliarden Euro weitere Staatshilfen vermeiden will.

Im Gegensatz zu Großbritannien wurden die Fortschritte im irischen Bankensektor Händlern zufolge als gering eingestuft. Entsprechend rutschten Allied Irish Bank um gut 17 Prozent ab, Bank of Ireland verloren 13 Prozent.

Auf den Verkaufslisten weit oben standen auch die Aktien der UBS, die in Reaktion auf den Quartalsbericht um knapp sieben Prozent fielen. "Einmal mehr eine große Enttäuschung. Der Abfluss von Kundengeldern hält an, und der Verlust ist insgesamt höher als erwartet", sagte ein Händler. Für das vierte Quartal werden zudem weitere Bewertungskorrekturen auf eigene Verbindlichkeiten auf das Ergebnis drücken. Der Stresstest der europäischen Banken hatte nach Angaben der Europäischen Kommission ergeben, dass sich deren Verluste in den Jahren 2009 und 2010 auf 400 Milliarden Euro summieren könnten.

Unter dem Eindruck dieser Nachrichten und der weiter trüben Perspektiven büßten auch Societe Generale vier Prozent ein, Banco Santander 3,3 Prozent und HSBC 3,2 Prozent. In Frankfurt fielen Commerzbank - auch noch unter dem Eindruck ebenfalls enttäuschender Quartalszahlen - um 4,2 Prozent. Deutsche Bank verloren 3,5 Prozent.