Euphorie am Aktienmarkt ebbt ab - Dax unverändert

Donnerstag, 2. September 2010, 18:39 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Nach den jüngsten Kursgewinnen ist die Euphorie am deutschen Aktienmarkt am Donnerstag wieder verpufft.

Der Dax schloss unverändert bei 6083 Zählern, nachdem er am Mittwoch um 2,7 Prozent in die Höhe geschossen war. "Die Risikoaversion bleibt vorhanden, obwohl wir zuletzt etwas bessere US-Konjunkturdaten gesehen haben", sagte Analyst Eugen Keller vom Bankhaus Metzler. Etwas Hoffnung auf eine Erholung am US-Arbeitsmarkt machte der überraschende Rückgang der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. Die Zahl sank in der vergangenen Woche um 6000. Für eine nachhaltige Wirkung müsste jedoch vor allem der am Freitag anstehende US-Arbeitsmarkbericht deutlich positiv überraschen, sagte Helaba-Analyst Ralf Umlauf. Der Arbeitsmarkt gilt als Schlüssel zu mehr privatem Konsum, der für die Entwicklung der US-Wirtschaft eine entscheidende wichtige Rolle spielt.

Durchwachsen fielen die anderen US-Konjunkturdaten aus: Die Produktivität verlor im Frühjahrsquartal weiter an Boden, die Auftragslage der Industrie verbesserte sich im Juli nur minimal. "Einen wirklich positiven Durchbruch gibt es bislang nicht und das verunsichert die Anleger", sagte ein Händler.

Spitzenreiter im Dax waren erneut die Aktien des Baustoffkonzerns HeidelbergCement. Sie verteuerten sich um 2,3 Prozent auf 34,35 Euro, nachdem sie am Mittwoch bereits gut sechs Prozent zugelegt hatten. Wenn die Konjunktursorgen auch nur etwas nachließen, seien zyklische Werte immer stärker gefragt, sagte ein Händler. Börsianer verwiesen zudem auf eine Hochstufung des Zementsektors durch die Analysten von Cheuvreux.

Das steigende Interesse der US-Verbraucher an deutschen Oberklassewagen half den Aktien von BMW und Daimler. Mit einem Aufschlag von 1,6 beziehungsweise 1,4 Prozent zählten sie zu den Zugpferden im Dax. "In der Summe konnte die Absatzentwicklung im August, insbesondere im Vergleich zu den asiatischen und US-Herstellern, überzeugen", sagte DZ-Bank-Analyst Michael Punzet. VW-Aktien hinkten mit einem Plus von gut einem Prozent etwas hinter: Die Wolfsburger hatten im August in den USA knapp acht Prozent weniger Autos verkauft. Die Daimler-Tochter Mercedes-Benz USA setzte 15 Prozent mehr um als vor Jahresfrist. BMW verzeichnete mit seiner Marke ein Plus von 1,6 Prozent.

Die Aktien der Deutschen Post profitierten von einem Erfolg im Rechtsstreit mit der EU-Kommission um staatliche Beihilfen und stiegen um 1,3 Prozent.

DEUTSCHE BANK SCHLUSSLICHT IM DAX

Auf der Verkaufsliste standen dagegen die Aktien der Deutschen Bank, die mit einem Minus von 3,2 Prozent Schlusslicht im Dax waren. Händlern zufolge hatten die Analysten von Merrill Lynch die Aktien auf die "Least Preferred List" gesetzt. Zudem gebe es Gerüchte, dass sich bei dem Geldhaus eine Kapitalerhöhung anbahne. Die Deutsche Bank wollte die Spekulationen auf Reuters-Nachfrage nicht kommentieren.

Im TecDax machten Conergy auf sich aufmerksam: Nach einem Großauftrag aus Griechenland drehten die Papiere ins Plus und setzten sich mit einem Kursgewinn von 6,9 Prozent zeitweise an die Spitze des Index. Das Unternehmen schloss nach eigenen Angaben einen Rahmenvertrag mit einem griechischen Investor zur Lieferung von 20 Solarkraftwerken.