China verdrängt Schuldenkrise-Sorgen - Dax erholt sich

Mittwoch, 1. Dezember 2010, 18:16 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Aussicht auf ein anhaltendes Wachstum in China hat die Sorgen der Anleger wegen der europäischen Schuldenkrise am Mittwoch in den Hintergrund gedrängt.

Der Dax schloss 2,7 Prozent höher bei 6866 Zählern. Der EuroStoxx50 legte ebenfalls 2,7 Prozent auf 2722 Punkte zu. "Heute ist ein guter Tag, aber ich würde nicht darauf wetten, dass dies allzu lange anhält", sagte Marktanalyst Klaus Wiener von Generali Investments in Köln. "Wir haben noch immer beachtliche Unsicherheiten rund um die Staatsschuldenkrise und dies wird die Märkte wieder verschrecken."

Der chinesische Einkaufsmanagerindex war im November auf 55,2 (Oktober: 54,7) Punkte und damit auf den höchsten Stand seit sieben Monaten gestiegen. Auch in Europa und den USA wurden robuste Konjunkturdaten veröffentlicht. Die Industrie der Euro-Zone wuchs - gezogen von der deutschen Konjunkturlokomotive - den Experten von Markit zufolge im November den 14. Monat in Folge. Die US-Privatwirtschaft schuf im abgelaufenen Monat einer Umfrage des privaten Arbeitsvermittlers ADP zufolge deutlich mehr Stellen als erwartet worden war. Für Aufatmen sorgte auch der überraschende Anstieg der US-Bauausgaben im Oktober. Die Industrie in der weltgrößten Volkswirtschaft verlor zwar etwas an Fahrt, doch Analysten hatten mit einer längeren Bremsspur gerechnet. Die US-Börsen verbuchten im frühen Geschäft ebenfalls Kursgewinne.

Die Spekulationen um eine Ausweitung der europäischen Schuldenkrise verflüchtigten sich allerdings nicht, sie beunruhigten Händlern zufolge die Anleger aber weniger als an den Vortagen. Außerdem ging die Hoffnung um, dass die EZB nochmals verstärkt mit Staatsanleihenkäufen in den Markt eingreift.

Auf Erholungskurs gingen Finanzwerte. Der europäische Stoxx-Branchenindex legte 3,7 Prozent zu. In Madrid schossen die Aktien von Banco Santander 7,2 Prozent nach oben. In Frankfurt verteuerten sich die Papiere der Deutschen Bank um drei Prozent, nachdem JP Morgan die Aktien auf "Neutral" von "Underweight" hochgestuft hatte. Das Risiko eines Teilverlustes aus von der Deutschen Bank gehaltenen Anleihen sei begrenzt, schrieben die Analysten in einem Marktkommentar.

LUFTHANSA PROFITIERT VON HOCHSTUFUNG

Die europäischen Autowerte waren nach einer zuversichtlichen Branchen-Einschätzung der Analysten von Nomura im Aufwind, der Stoxx-Branchenindex legte vier Prozent zu. "Der europäische Automarkt sollte 2011 wieder schwarze Zahlen schreiben", stellten die Analysten fest. Das größte Aufwärtspotenzial bescheinigten sie Renault, dessen Aktien in Paris gut fünf Prozent zulegten. Daneben empfahlen sie VW-Vorzüge, die 3,2 Prozent zulegten. BMW kletterten um 5,1 Prozent, Daimler um 4,2 Prozent. In Mailand verteuerten sich Fiat um 4,6 Prozent.

Begehrt waren auch Lufthansa, die sich um 3,2 Prozent auf 16,92 Euro verteuerten. Die Analysten von Goldman Sachs hatten die Titel der größten deutschen Fluggesellschaft zum Kauf empfohlen und das Kursziel auf 20,90 von 12,25 Euro erhöht.

In Paris rauschten Carrefour nach einer Gewinnwarnung 5,6 Prozent in die Tiefe. Die Papiere des deutschen Konkurrenten Metro konnten sich dem Sog jedoch entziehen und schlossen 3,2 Prozent im Plus.