Zinsphantasie macht Euro attraktiver als Dollar und Yen

Donnerstag, 27. Januar 2011, 13:56 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Spekulationen auf steigende Zinsen in Europa haben dem Euro am Donnerstag einen kräftigen Schub gegeben.

Die Gemeinschaftswährung stieg bis zum Mittag um fast einen halben US-Cent und notierte mit 1,3745 Dollar so hoch wie seit November nicht mehr. "Die EZB wird die Zinsen nicht dauerhaft niedrig halten", erklärte Helaba-Analystin Viola Stork. EZB-Ratsmitglied Lorenzo Bini Smaghi habe die Anleger mit seinen Aussagen zur Inflation daran erinnert, dass für die EZB die Preisstabilität entscheidend ist. Hinzu kamen Aussagen der US-Notenbank, die eine Zinswende in den USA bis auf weiteres unwahrscheinlich erscheinen lassen. Die Senkung der Kreditwürdigkeit Japans durch die Ratingagentur S&P trieb den Euro auch gegenüber dem Yen an.

Bini Smaghi hatte sich für eine harte Gangart im Kampf gegen die Inflation stark gemacht. Schon nach der ersten EZB-Ratssitzung des Jahres Anfang Januar war an den Märkten die Einschätzung aufgekommen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) früher als gedacht die ultra-lockere Geldpolitik beenden könnte. In der Euro-Zone beträgt der Leitzins derzeit ein Prozent, während sie in den USA und Japan nahe null Prozent liegen.

"JAPAN IST DAMIT WIEDER AUF DEM RADARSCHIRM"

Die Entscheidung von S&P, erstmals seit 2002 die Bonität Japans zu senken, war Hauptgesprächsthema der Börsianer. Mit "AA-" liegt Japans Kreditwürdigkeit drei Stufen unter der Bestnote "AAA", mit der beispielsweise Deutschland und die USA benotet werden. Als Grund führte S&P die hohe Staatsverschuldung Japans an, die eine Folge der Immobilienkrise der 1990er Jahre ist. "Das bringt Japan als ein Land mit großen Hausaushaltsproblemen wieder auf den Radarschirm und lässt den Dollar als sicheren Hafen erscheinen", fasste Kenneth Broux, Marktökonom von Lloyds zusammen. Der Euro stieg auf ein Zwei-Monats-Hoch von 113,94 Yen, während der Dollar auf knapp 83 Yen von etwas über 82 Yen kletterte.

Doch auch der Dollar war bei den Anlegern angesichts der Zinssaussichten nicht allzu beliebt. Die US-Notenbank hatte erstmals seit Dezember 2009 einstimmig für eine Fortsetzung der Nullzinspolitik gestimmt, und das, obwohl zum Jahreswechsel gleich zwei Notenbanker in den Offenmarktausschuss rückten, die sich bislang als stramme Inflations-Bekämpfer - im Börsenjargon Falken genannt - einen Namen gemacht haben.

SORGE UM BELGIEN TREIBT RENDITEN HOCH

Am Rentenmarkt reagierten die Anleger verhalten. Die japanische zehnjährige Anleihe gaben bis zu 18 Ticks auf 99,50 Punkte nach, die Rendite lag mit knapp 1,3 Prozent etwas höher als am Vortag. Die deutschen Bundesanleihen rentierten mit 3,2 Prozent, die US-Anleihen mit 3,4 Prozent. Japan wird von seinen Gläubigern vor allem deshalb weniger zur Kasse gebeten, da unter ihnen kaum Ausländer sind. Im europäischen Rentenhandel zogen die Renditen der Anleihen aus den Peripherieländern leicht an.

Händler erklärten, neben Japan habe die Sorge um die politische Zukunft Belgiens die Kurse der Anleihen belastet. Der vom König bestellte Vermittler im Streit zwischen Flamen und Wallonen, Johan Vande Lanotte, hatte am Mittwochabend das Handtuch geworfen. Die Anleger quittierten dies mit höheren Risikoaufschlägen. Die Rendite der zehnjährigen Anleihen zog bis auf knapp 4,4 Prozent von knapp 4,3 Prozent am Vortag an.

Der Bund-Future pendelte sich am Mittag bei 123,49 Zählern ein, ein minus von zwölf Ticks.