Ernüchterung nach EU-Gipfel drückt Euro

Montag, 12. Dezember 2011, 15:54 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Erleichterung über die Beschlüsse des EU-Schuldengipfels ist am Montag der Ernüchterung gewichen.

"Das Spitzentreffen packt zwar die langfristigen Probleme an, aber Europa steht in den kommenden Wochen vor ernsthaften Finanzierungsschwierigkeiten", warnte Analyst Teppei Ino von der Bank of Tokyo-Mitsubishi. "Es gibt keine unmittelbare Lösung für dieses Problem." Sein Kollege Beat Siegenthaler von der UBS betonte, die Weigerung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Anleihe-Käufe deutlich auszuweiten, schlage den Investoren auf die Stimmung. "Sollten die Staatsanleihen der Euro-Zone erneut unter Druck geraten, gibt es kein Auffang-Netz."

Der Euro fiel im Vergleich zum New Yorker Freitagsschluss um gut einen US-Cent auf 1,3274 Dollar. Auf der Suche nach einem "sicheren Hafen" griffen Anleger erneut zu Bundesanleihen. Der Bund-Future gewann 90 Ticks auf 136,27 Punkte. Gleichzeitig wuchsen die Risikoaufschläge (Spreads) zehnjähriger Anleihen hoch verschuldeter Euro-Staaten wie Italien und Spanien wieder.

Den Rating-Agenturen Standard & Poor's (S&P) und Moody's gehen die EU-Beschlüsse für eine strengere Haushaltsdisziplin nicht weit genug. Jean-Michel Six, Europa-Chefvolkswirt von S&P, betonte, weitere Gipfel seien notwendig. "Die Zeit läuft ab und Maßnahmen sind erforderlich", betonte er. Vor diesem Hintergrund wuchsen bei Anlegern wieder Zweifel an der Zahlungsfähigkeit einzelner Euro-Staaten. Die Absicherung von Anleihen Italiens, Spaniens, Frankreichs oder Belgiens per Credit Default Swaps (CDS) verteuerte sich.

ITALIEN KANN SICH BILLIGER REFINANZIEREN

Die erfolgreiche Emission zwölfmonatiger italienischer Anleihen brachte keine spürbare Entspannung. Offenbar habe Italien von den Stützungskäufen der EZB bei kurz laufenden Papieren am Vormittag profitiert, sagte Achilleas Georgolopoulos, Stratege der Lloyds Bank. "Am Gesamtbild ändert sich allerdings nichts." Sein Kollege Padhraic Garvey von der ING Bank wies darauf hin, dass die Renditen trotz des leichten Rückgangs immer noch hoch seien. "Die Nachfrage war in Ordnung, aber nicht großartig", fügte er hinzu.

Italien verkaufte am Montag Anleihen im Volumen von sieben Milliarden Euro. Die Rendite verringerte sich den Angaben zufolge auf 5,952 Prozent von 6,087 Prozent bei der vorangegangenen Auktion. Die Emission war 1,925-fach überzeichnet.