Euro-Krise bereitet Anlegern weiter Kopfschmerzen

Dienstag, 13. Dezember 2011, 19:59 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der besser als erwartet ausgefallene ZEW-Konjunkturindex hat die Dax-Anleger nur vorübergehend versöhnlich gestimmt.

Am Nachmittag kehrten die Sorgen um die Schuldenkrise in Europa zurück auf die Tagesordnung. Mit ihrer erneuten Absage an eine erhöhte Haftungsobergrenze des dauerhaften Euro-Rettungsschirms ESM schickte Bundeskanzlerin Angela Merkel den Leitindex ins Minus. Der Dax schloss 0,2 Prozent schwächer bei 5774 Zählern, nachdem er zeitweise um 1,2 Prozent in die Höhe geklettert war. Der EuroStoxx50 verlor 0,4 Prozent, der Dow-Jones-Index hielt sich nur knapp im Plus.

"Jede Hoffnung auf mehr Geld, die erstickt wird, führt derzeit zu deutlichen Kursreaktionen", sagte ein Händler. Auch der Euro stand unter Druck: Die Gemeinschaftswährung fiel mit bis zu 1,3055 Dollar auf den tiefsten Stand seit Mitte Januar.

Kanzlerin Merkel hatte in der CDU/CSU-Fraktionssitzung nach Angaben von Teilnehmern gesagt, dass die Überprüfung der Obergrenze von 500 Milliarden Euro im März zwar in dem EU-Gipfelbeschluss stehe, sie dies aber nicht für nötig halte. Ähnlich hatte sie sich am Freitag zum Abschluss des EU-Gipfels in Brüssel geäußert.

Für einen Dämpfer sorgte auch, dass Fitch den Ausblick für die Bonitätsnoten von Bulgarien, Tschechien, Litauen und Lettland auf stabil von zuvor positiv senkte. Als Grund führte die Ratingagentur die Verschlechterung der wirtschaftlichen Aussichten in Europa an.

ZEW-KONJUNKTURINDEX SORGT ZUNÄCHST FÜR OPTIMISMUS

Bis zum Nachmittag hatte zunächst noch der Optimismus überwogen, vor allem nachdem die Konjunkturerwartungen der Börsenexperten im Dezember überraschend um 1,4 auf minus 53,8 Punkte geklettert war - dies war der erste Anstieg des ZEW-Barometers nach neun Rückgängen in Folge. Analysten hatten mit einer Abschwächung auf minus 56,5 Punkte gerechnet. Dies dürfte "den Beginn einer Stabilisierungsphase darstellen, auf die in absehbarer Zeit ein Aufwärtstrend folgt", urteilte Postbank-Analyst Thilo Heidrich.

In Kauflaune präsentierten sich die Anleger auch, weil der europäische Rettungsfonds EFSF am Dienstag problemlos 1,97 Milliarden Euro bei Investoren einsammeln konnte. Die Nachfrage war groß und die Zinsen für die Anleihe mit dreimonatiger Laufzeit lagen im Schnitt bei 0,2222 Prozent. "Zusammen mit der erfolgreichen spanischen Auktion lindert das die Anspannung unter den Anlegern", sagte ein Händler.

Das südeuropäische Land, das zuletzt unter verstärkter Beobachtung der Finanzmärkte stand, hat sich wieder zu günstigeren Konditionen am Kapitalmarkt refinanzieren können. Für die ausgegebenen Einjahrespapiere im Volumen von 3,44 Milliarden wurde nach Ministeriumsangaben eine Rendite von 4,050 Prozent fällig gewesen nach mehr als fünf Prozent bei der vorausgegangenen Auktion.   Fortsetzung...

 
<p>Traders are pictured at their desks in front of the DAX board at the Frankfurt stock exchange December 13, 2011. REUTERS/Remote/Fabrizio Bensch (GERMANY - Tags: BUSINESS)</p>