FOKUS3-Enttäuschung über Siemens und Griechen-Drama drücken Dax
Frankfurt (Reuters) - Enttäuschende Geschäftszahlen großer europäischer Konzerne und die ins Stocken geratenen Griechenland-Verhandlungen haben den Anlegern an den europäischen Aktienmärkten am Dienstag die Kauflaune verdorben.
Erst im Schlussgeschäft griffen einige Investoren wieder zu, so dass der Dax zuletzt mit 6419 Punkten nur noch 0,3 Prozent im Minus lag. Zeitweise hatte er 1,5 Prozent verloren. Der EuroStoxx50 fiel um 0,4 Prozent. "Da kommt heute einiges zusammen", sagte ein Händler. "Siemens, KPN und STM haben nicht überzeugt." Hinzu komme Europas Schulden-Drama, das nunmehr auch mehr und mehr die Gewinnentwicklung der Unternehmen mitbestimme. Siemens hatte unter anderem die Folgen das Euro-Krise für den Fehlstart ins Geschäftsjahr 2011/12 verantwortlich gemacht.
Die Euro-Staaten setzen Griechenland unter großen Druck. So verlangen sie für das zweite Kreditprogramm zur Abwehr der Staatspleite zusätzliche Reformen. Zudem reichte den Euro-Finanzministern das Angebot der privaten Gläubiger zum Forderungsverzicht gegenüber Griechenland noch nicht aus und sie schickten ihren Kollegen zurück an den Verhandlungstisch mit den Banken.
DAX-SCHWERGEWICHT SIEMENS VERDIRBT ANLEGERN KAUFLAUNE
Für Unmut bei den Anlegern sorgte aber vor allem der Gewinnrückgang bei Siemens, dem schwersten Dax-Wert. Die Zahlen des deutschen Industrieflagschiffs seien nicht gerade gut gewesen und das dürfte auch für andere Unternehmen ein schlechter Vorbote sein, fasste ein Börsianer zusammen. Siemens-Aktien fielen in der Spitze um 4,3 Prozent. Mit Blick auf die Hauptversammlung am Mittwoch holten die Titel im Schlussgeschäft aber etwas auf und verloren moderate 1,3 Prozent auf 77,39 Euro. Die Anleger nahmen die Konkurrenten in Sippenhaft: in Paris verloren Alstom 2,5 Prozent, in Zürich ABB 2,3 Prozent ein.
In Amsterdam büßten KPN-Aktien nach enttäuschenden Bilanzdaten und einer deutlichen Senkung der Prognose für 2012 7,2 Prozent ein. Zudem teilte der niederländische Telekommunikationskonzern mit, derzeit nicht über eine Fusion seiner Tochter E-Plus mit der zur spanischen Telefonica gehörenden Tochter o2 zu verhandeln. Analysten favorisierten seit Jahren einen Zusammenschluss der beiden Anbieter.
In Paris gerieten die Aktien von STMicroelectronics unter die Räder, nachdem der Chiphersteller im vierten Quartal in die roten Zahlen gerutscht war. STM verloren 5,8 Prozent. Der holprige Geschäftsverlauf bei den Zulieferern drückte die Aktien des angeschlagenen Nokia-Konzerns um knapp sieben Prozent ins Minus. Auch der US-Konzern Texas Instruments war mit seinen Umsatzzielen für das erste Quartal hinter den Markterwartungen zurückgeblieben. Die Aktien tendierten in New York leichter.
Stärker als die Industrie- und Techwerte verloren zeitweise die Finanzwerte, die zum Wochenanfang noch kräftig zugelegt hatten. So rutschten Commerzbank um 2,8 Prozent auf 1,89 Euro ab. Die Aktien hatten zuletzt von der Aussicht auf das Schließen der Kapitallücke aus eigener Kraft kräftig zugelegt. Dabei bleiben die Umsätze extrem hoch: Von den 246 Millionen gehandelten Dax-Aktien gingen am Dienstag rund 149 Millionen auf das Konto der Bank.
Kritische Analystenkommentare und Gewinnmitnahmen drückten die Aktien der Deutschen Bank um 1,8 Prozent und die der Societe Generale um 5,4 Prozent.
Zu den größten Verlierern zählten auch K+S mit einem Abschlag von 2,5 Prozent. Händler verwiesen auf einen Kursrückgang des Rivalen Potash im Sog einer Herabstufung durch die Analysten von JP Morgan.
Im TecDax gerieten Q-Cells-Papiere ins Taumeln: Der ums Überleben kämpfende Solarkonzern hat sein Grundkapital aufgezehrt. Q-Cells verloren 18 Prozent auf 0,4080 Euro. Zu den Tec-Dax-Schlusslichtern zählten auch die Aktien der Software AG, die mit ihrem Ausblick die Anleger verprellte. Die Titel fielen um 6,6 Prozent.
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