Griechenland-Einigung lässt Anleger kalt - Dax fällt

Dienstag, 21. Februar 2012, 14:21 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Griechenland ist vorerst gerettet, doch an den europäischen Aktienmärkten zeigten sich die Anleger am Dienstag weitgehend unbeeindruckt.

Der Dax verlor 0,3 Prozent auf 6927 Punkte, der EuroStoxx notierte 0,4 Prozent schwächer. "Die Einigung auf die neuen Milliardenhilfen hatte sich in den vergangenen Tagen bereits angedeutet und war keine Überraschung mehr", sagte ein Händler. Der Dax hat allein seit Freitag gut drei Prozent zugelegt.

Zudem ist die Euro-Krise auch mit dem zweiten Rettungspaket für Griechenlang noch nicht vom Tisch: "Entscheidend sind nicht die beschlossenen Reformmaßnahmen und die finanziellen Zusicherungen, sondern die Umsetzung der Reformen sowie eine zunehmende Wettbewerbsfähigkeit des Landes", schrieb Helaba-Analyst Christian Schmidt in einem Kommentar. Der Euro notierte mit 1,3264 Dollar leicht höher als zum New Yorker Vortagesschluss.

In der Nacht zum Dienstag hatten sich die Euro-Länder nach einer wochenlangen Hängepartie auf Hilfen für Griechenland im Volumen von 130 Milliarden Euro verständigt. Hauptziel des zweiten Pakets ist es, Griechenlands Schuldenstand bis 2020 auf 120,5 von derzeit mehr als 160 Prozent des BIP zu senken. Die Privatinvestoren, die vom internationalen Bankenverband IIF vertreten werden, verzichten dafür auf mehr Geld als bislang geplant. Der europäische Bankenindex gab um 0,7 Prozent nach. Auch die Notenbanken sollen einen Beitrag leisten und können Gewinne aus griechischen Staatsanleihen über die Mitgliedstaaten zur Sanierung Griechenlands ausschütten.

THYSSEN NACH VERKAUFSEMPFEHLUNG UNTER DRUCK

Unter den Einzelwerten stachen besonders ThyssenKrupp ins Auge. Die UBS hatten einen Verkauf der Titel empfohlen. Die Aktien gaben im Dax bis zu drei Prozent auf 20,73 Euro nach, womit sie aber nur einen Teil ihres Vortagesgewinns von vier Prozent einbüßten. Die Analysten senkten ihre Gewinnschätzungen je Aktie für das Geschäftsjahr 2011/12 um 37 Prozent und für das Geschäftsjahr 2012/13 um 13 Prozent. ThyssenKrupp hatte vorige Woche für das erste Quartal überraschend einen Verlust von 480 Millionen Euro ausgewiesen. Entscheidend seien die Werke in Übersee, deren Profitabilität unter Druck bleibe, schrieben die Experten.

Fresenius Medical Care (FMC) kamen nach den Geschäftszahlen des Dialysespezialisten auf keinen grünen Zweig. Umsatz und operatives Ergebnis für 2011 hätten leicht unter den Erwartungen gelegen, schrieb DZ-Bank-Analystin Christa Bähr in einem Kommentar. Die Papiere verloren 1,6 Prozent. Auch die Aktien des Mutterkonzerns Fresenius gaben nach und notierten 0,9 Prozent schwächer. Hier lobte die Analystin allerdings die Prognose: "Der positive Ausblick 2012 für alle Segmente sollte das Vertrauen in das Geschäftsmodell und das hohe Wachstumspotential des diversifizierten, globalen Healthcare-Unternehmens weiter stärken." Fresenius-Chef Ulf Schneider peilt für das laufende Jahr einen währungsbereinigten Anstieg des Umsatzes um zehn bis 13 Prozent an.

AAREAL BANK WEGEN AUSBLICK AUF TALFAHRT

Deutlich auf Talfahrt gingen im MDax die Titel der Aareal Bank. Die Bank rechnet wegen der Euro-Schuldenkrise 2012 mit einem Gewinnrückgang. 2011 hatte sie ein Betriebsergebnis von 185 Millionen Euro erzielt. "Ein Betriebsergebnis leicht unter den 2011 erzielten 185 Millionen Euro kommt einer Gewinnwarnung bezüglich unserer Prognose von 262 Millionen Euro gleich", stellte LBBW-Analyst Martin Peter fest. Die Aktien stürzten um bis zu elf Prozent auf 17,34 Euro ab und gaben damit den gesamten Gewinn des Februars wieder ab.

Abschläge mussten auch Lanxess hinnehmen. Nach einem Kursanstieg von über 40 Prozent seit Jahresbeginn empfahlen die Analysten von Equinet bei den Titeln Kasse zu machen. Daher stuften die Experten die Aktien des Chemiekonzerns herunter auf "Hold" von "Buy". Die Papiere verloren im MDax 1,2 Prozent auf 57,83 Euro.

 
Traders work at their desks below the DAX board at the Frankfurt stock exchange February 1, 2012. REUTERS/Alex Domanski (GERMANY - Tags: BUSINESS)