Anleger sehen kein Ende der "griechischen Tragödie"

Dienstag, 21. Februar 2012, 18:03 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Das nun beschlossene Griechenland-Rettungspaket ist für viele Anleger nicht der Schluss der "griechischen Tragödie", sondern nur der Beginn des nächsten Aktes.

"Ein erfolgreiches und in Griechenland akzeptables Rezept für die Konjunkturerholung aufzustellen, ist eine enorme Aufgabe", sagte Analyst Tristan Cooper von Fidelity Worldwide Investment. "Natürlich sind sich die europäischen Entscheidungsträger dessen bewusst, vor allem in den Ländern, die die Zeche bezahlen müssen. Sie sind zur weiteren Unterstützung gezwungen, da sie das Unbekannte fürchten - die Ansteckungswirkung eines Ausschlusses Griechenlands."

Dax und EuroStoxx50 notierten zum Ende des Xetra-Handels jeweils etwa ein halbes Prozent tiefer bei 6908,18 beziehungsweise 2543,08 Punkten. Damit lagen sie aber immer noch 17 und zehn Prozent über dem Niveau vom Jahreswechsel. Ein größerer Rückschlag sei nicht zu befürchten, betonte Aktienhändler Manoj Ladwa von ETX Capital, da auch die jüngsten US-Konjunkturdaten ermutigend und die Firmenbilanzen recht gut ausgefallen seien. An der Wall Street lag der US-Standardwerteindex Dow Jones am Dienstag bei Börsenschluss in Deutschland 0,4 Prozent im Plus.

Der Euro, der als Reaktion auf die Einigung in Brüssel zunächst auf knapp 1,33 Dollar gestiegen war, fiel bis zum Dienstagabend auf 1,3258 Dollar zurück. Das Sicherheitsbedürfnis der Anleger verringerte sich auch nach dem Griechenland-Deal kaum: Der Bund-Future notierte sieben Ticks tiefer bei 137,90 Punkten.

NACH ZÄHEM RINGEN EIN "JA" ZU WEITEREN HILFEN

Nach einer schier endlosen Zitterpartie hatten sich die Euro-Länder in der Nacht zum Dienstag auf ein zweites, 130 Milliarden Euro schweres Hilfspaket für Griechenland geeinigt. Gleichzeitig sollen Privatinvestoren auf mehr als die Hälfte ihrer Forderungen verzichten, um dem Mittelmeer-Anrainer finanziell wieder auf die Beine zu helfen.

Da dies mehr ist als ursprünglich gedacht, gaben Finanzwerte nach. So verloren der europäische Branchenindex 0,7 und der griechische sogar zehn Prozent. Die einheimischen Banken gehören zu den größten Gläubigern Griechenlands. Im EuroStoxx50 gehörten Deutsche Bank, Unicredit, ING und Intesa Sanpaolo mit Kursverlusten zwischen 1,3 und 2,4 Prozent zu den größten Verlierern.

GRIECHENLAND STEHT NOCH EIN LANGER, STEINIGER WEG BEVOR

"Unsere Berechnungen zeigen, dass Griechenland selbst die deutlich gesenkten Schulden ohne die Umsetzung tiefgreifender Reformen langfristig kaum tragen kann", warnte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "In der zweiten Jahreshälfte steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine frustrierte Staatengemeinschaft Griechenland den Geldhahn zudreht."   Fortsetzung...