Gute Konsumentenstimmung färbt auf Aktienanleger ab

Dienstag, 28. Februar 2012, 18:29 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die gute Stimmung unter deutschen und amerikanischen Verbrauchern hat sich am Dienstag auf die Anleger an den Aktienmärkten übertragen.

Einen Tag vor der neuen langfristigen Geldspritze der EZB schloss der Dax 0,6 Prozent höher bei 6887,63 Zählern. Der EuroStoxx50 beendete den Tag 0,4 Prozent fester bei 2522 Punkten. An den US-Börsen gingen die Kurse ebenfalls nach oben. Das überraschend starke Vertrauen der US-Konsumenten sorgte dort nach einem schwachen Handelsstart für steigende Kurse. Der Index des Forschungsinstituts Conference Board kletterte im Februar auf 70,8 Punkte von revidiert 61,5 Zählern im Januar und notierte damit auf dem höchsten Stand seit einem Jahr. Dass die US-Industrie im Januar so wenige Aufträge erhielt wie seit drei Jahren nicht mehr, hielt die Aktienanleger dagegen nur kurz von Zukäufen ab.

Den deutschen Verbrauchern attestierte die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (Gfk) ebenfalls so gute Laune wie seit einem Jahr nicht mehr. "Gfk und das etwas günstigere Öl sind heute sicherlich recht hilfreich für den Dax", sagte ein Händler. Der Preis für die Nordsee-Ölsorte Brent fiel um 0,8 Prozent auf 123,12 Dollar pro Barrel.

Dem Aktienhändler zufolge schauten viele Anleger aber bereits auf den zweiten Mega-Tender der EZB am Mittwoch: "Eigentlich will jeder nur wissen, wie viel Geld die Banken bei der EZB abrufen. Dann bekommt man vielleicht eine Vorstellung davon, wie robust die Häuser aufgestellt sind, und wie es mit der Kreditvergabe weitergeht." Euro-Banken können sich bei der Europäischen Zentralbank (EZB) für drei Jahre zum Niedrigzins von einem Prozent unbegrenzt mit Geld eindecken. Bei einem ersten derartigen Tender im Dezember hatten sie 489 Milliarden Euro abgerufen. Von Reuters befragte Analysten gehen davon aus, dass die Summe diesmal auf etwa 500 Milliarden Euro steigt.

Der europäische Bankenindex ließ sich nach einem lange Zeit richtungslosen Handel vom Gesamtmarkt nach oben ziehen und schloss 0,4 Prozent fester. In Frankfurt gewannen die Aktien der Deutschen Bank 0,7 Prozent, Commerzbank-Titel beendeten den Tag dagegen mit einem Minus von 1,5 Prozent. Händlern zufolge wurde der Kurs vom angekündigten Umtausch von Hybridanleihen belastet, da der Durchschnittspreis dieser Woche in die Preisberechnung des Umtauschkurses einfließt. Deshalb haben einige Investoren Interesse an einem niedrigen Kurs.

Thema am Markt war auch die Autobranche. In den Handelsräumen wurde ein möglicher Einstieg der Opel-Mutter General Motors bei PSA Peugeot Citroen diskutiert. Nach Reuters-Informationen ist eine Einigung schon in den nächsten Tagen möglich. Investoren spekulierten auf einen hohen Preis, so dass die Aktien des französischen Autokonzerns um bis zu 9,6 Prozent anzogen. General Motors wurden in Frankfurt 0,9 Prozent höher gehandelt, verloren in New York aber 0,5 Prozent. Analysten zweifelten am Sinn solcher Pläne: "Es ist schwer, in einer Opel/PSA-Allianz Vorteile zu sehen, da beide Unternehmen mit denselben Problemen zu kämpfen haben - sinkende Preise und schwächelnder Absatz", hieß es in einem Kommentar der Credit Suisse. Im Dax legten die Aktien von BMW, die mit PSA bei Motoren kooperieren, um 1,2 Prozent zu.

Auffällig stark präsentierten sich die Aktien der europäischen Chiphersteller. Infineon beendeten den Tag mit einem Plus von 2,2 Prozent als größter Dax-Gewinner, im TecDax gingen die Aktien von Dialog Semiconductor sogar um 4,5 Prozent nach oben. In Paris profitierten STMicroelectronics von einem Auftrag des Elektronikriesen Samsung bei der Smartphone-Technik. Die STM-Papiere verteuerten sich um 6,9 Prozent. An der Wall Street waren die Anteilsscheine von Chipherstellern ebenfalls gefragt, nachdem Micron und Intel ein Lieferabkommen vereinbart hatten.

 
Traders are pictured at their desks in front of the DAX board at the Frankfurt stock exchange February 24, 2012.  REUTERS/Remote/Kirill Iordansky  (GERMANY - Tags: BUSINESS)