Spanien und Griechenland machen Finanzmärkte nervös

Mittwoch, 9. Mai 2012, 18:07 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die unklare Zukunft Griechenlands als Mitglied der Euro-Zone und Sorgen um Spaniens Banken haben die Anleger an den Finanzmärkten am Mittwoch zur Vorsicht gemahnt.

Die spanische Regierung will die Institute des Landes nach Angaben von Insidern dazu bringen, weitere 35 Milliarden Euro zur Absicherung von Risiken im Immobilienbereich zur Seite zu legen. Die spanischen Bankaktien gaben daraufhin ebenso nach wie der Leitindex in Madrid, der um 2,8 Prozent absackte. "Dass die Parteien in Griechenland keine Regierung zustande bekommen, wiegt heute nicht so schwer wie die Furcht vor einer Verschärfung der Lage in Spanien", sagte ein Aktienhändler in Frankfurt.

Kurz vor Handelsschluss in Europa verringerten viele Aktienindizes ihre Verluste spürbar. Händler machten charttechnische Gründe hinter der Erholung auf beiden Seiten des Atlantiks aus. Dem Dax habe geholfen, dass er die Marke von 6400 Punkten zurückerobern konnte, sagte ein Börsianer. Der deutsche Leitindex schloss 0,5 Prozent fester bei 6475,31 Punkten, nachdem er zuvor bis auf 6375 Zähler gefallen war. Der EuroStoxx50 verlor 0,4 Prozent auf 2341 Punkte. An der Wall Street notierte der Dow-Jones-Index der Standardwerte 0,6 Prozent im Minus bei 12.855 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 fiel ebenfalls um 0,6 Prozent auf 1356 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq ging um 0,5 Prozent auf 2932 Zähler nach unten.

Erneut setzten Anleger auf Sicherheit und steuerten Bundesanleihen an, deren Rendite erstmals unter 1,5 Prozent fiel. Der Bund-Future markierte mit 143,03 Punkten einmal mehr ein Rekordhoch. Dagegen stieg die Rendite spanischer Anleihen zum ersten Mal seit April über die als kritisch geltende Sechs-Prozent-Marke. Der Euro sackte zeitweise auf ein dreieinhalb Monats-Tief von 1,2910 Dollar ab, erholte sich dann im Windschatten der sich beruhigenden Aktienmärkte aber wieder etwas.

Schon am Dienstag hatte die Furcht vor einem politischen Vakuum in Griechenland den Dax um 1,9 Prozent ins Minus gedrückt. Nach dem Scheitern der Konservativen versucht sich in Athen nun das radikale Linksbündnis an der Bildung einer neuen Regierung, bisher aber ohne Erfolg. Im Parlament gebe es nicht genügend Rückhalt für die Bildung einer Sparkurs-kritischen Koalition, sagte Panos Kammenos, Chef der rechten Unabhängigen Griechen, nach Gesprächen mit dem Linksbündnis. Deren Chef Alexis Tsipras hat noch bis Freitag Zeit für die Bildung eines Regierungsbündnisses. "Vorgezogene Neuwahlen werden immer wahrscheinlicher, die im Grunde ein Referendum über die Mitgliedschaft Griechenlands im Euro werden", prognostizierten die Analysten der Royal Bank of Scotland (RBS) in einem Marktkommentar. In Deutschland und anderen Euro-Ländern mehrten sich die Stimmen, die ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro-Raum nicht mehr ausschlossen.

EUROPÄISCHE BANKENWERTE UNTER DRUCK

Unter den Einzelwerten waren im Dax unter anderem Commerzbank-Papiere gefragt, die ungeachtet der Sorgen um die Schuldenkrise um 1,6 Prozent zulegten. Das Finanzinstitut hat trotz eines Gewinneinbruchs im ersten Quartal die Kapitalanforderungen der EU-Bankenaufsicht EBA vorzeitig erreicht. DZ-Bank-Analyst Christoph Bast hob hervor, dass das zweitgrößte Geldhaus Deutschlands darüber hinaus einen Kapitalpuffer von 1,1 Milliarden Euro aufgebaut habe. Bast bekräftigte seine Kaufempfehlung für die Aktie.

Anders als bei der Commerzbank ist bei den spanischen Finanzinstituten das Thema Kapitalbedarf nicht ausgestanden. Caixabank, Bankinter und BBVA gaben zwischen 6,7 und 4,7 Prozent nach. Bislang seien die Details der Sanierungspläne für den spanischen Finanzsektor noch unklar, erklärte ein Börsianer. Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy will die Pläne am Freitag vorstellen. Die Probleme des spanischen Bankensektors hinterließen auch bei anderen europäischen Werten des Sektors ihre Spuren: Der Stoxx-Branchenindex verlor 1,7 Prozent. Die Anteilsscheine der Deutschen Bank gaben um 1,1 Prozent nach.