Wall Street im Bann der Wahl - Furcht vor Fiscal Cliff

Samstag, 3. November 2012, 12:00 Uhr
 

New York (Reuters) - Auch für die Wall Street steht in der kommenden Woche die US-Wahl im Mittelpunkt.

Experten zufolge wäre den Händlern ein Sieg von Amtsinhaber Barack Obama ein klein wenig lieber als der seines republikanischen Herausforderers Mitt Romney: Ein Machtwechsel würde schon allein wegen Romneys Kritik an dem Chef der US-Notenbank Fed Ben Bernanke am Markt zu einer Unsicherheit führen, sagen sie. "Bei Romney würden wir am Anfang eine gewisse Schwäche erwarten", sagt Ryan Detrick von Schaeffer's Investment Research. "Er könnte die Hilfsmaßnahmen der Fed stoppen wollen. Daher kommt die Unsicherheit." Nach der Wahl am Dienstag dürfte das nächste große Thema wieder der US-Haushalt sein. Ohne eine Einigung im Kongress droht dem Land nach dem Jahreswechsel der Absturz von der "fiscal cliff" und eine neue Rezession.

Den jüngsten Umfragen von Reuters/Ipsos zufolge liegen Obama und Romney faktisch gleichauf. Allerdings führt der Demokrat in den besonders wichtigen Staaten mit knappen Mehrheiten, darunter Ohio und Virginia. Wettdienste wie InTrade sehen die Chancen auf eine zweite Präsidentschaft Obamas bei 67 Prozent. "Ich glaube, der Markt hat einen Sieg Obamas eingepreist", sagt Joseph Tanious von J.P. Morgan Funds. Trotzdem werde es in den Tagen direkt nach der Wahl zu einer reflexmäßigen Reaktion kommen. Auch er sieht die Haushaltsklippe nach der Wahl als zentrales Thema: "Der Sieger wird die Richtung vorgeben."

Bis Januar müssen sich Präsident, Senat und Repräsentantenhaus auf einen Plan zum Schuldenabbau einigen. Sonst drohen automatische Kürzungen der Staatsausgaben, die die weltgrößte Volkswirtschaft in die Rezession stürzen könnten. Den Umfragen zufolge dürften die Republikaner ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus behalten und die Demokraten weiter den Senat kontrollieren. Da beide Parteien sich in vielen Punkten unversöhnlich gegenüberstehen, könnte sich unabhängig von dem Ausgang der Präsidentenwahl die Patt-Situaton fortsetzen, die in den vergangenen Jahren die US-Politik geprägt hat.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ließ nach einem zunächst freundlichen Auftakt am Freitag bis zum Schluss 1,1 Prozent auf 13.093 Punkte Federn. Der breiter gefasste S&P-500 sank 0,9 Prozent auf 1414 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq büßte 1,3 Prozent auf 2982 Stellen ein. In Frankfurt verabschiedete sich der Dax mit einem Plus von 0,4 Prozent auf 7364 Punkten ins Wochenende.

- von Rodrigo Campos