Dax-Anleger vor US-Wahlen auf der Hut

Montag, 5. November 2012, 18:34 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Am Tag vor den US-Wahlen haben sich die Aktien-Anleger in Europa kaum noch aus der Deckung gewagt.

Der Dax verlor am Montag 0,5 Prozent auf 7326 Punkte, der EuroStoxx50 fiel um ein Prozent. "Die Unsicherheit vor den US-Wahlen liefert vielen eine willkommene Ausrede, nach den Gewinnen der Vorwoche etwas Kasse zu machen und sich ansonsten einfach bedeckt zu halten", fasste ein Händler die Stimmung zusammen. Dax und EuroStoxx hatten angesichts positiver Aufnahme der Bilanzen einiger Großkonzerne und guter Konjunkturdaten vergangene Woche je etwa zwei Prozent gewonnen. Besonders gering blieben die Umsätze: Im Dax wurden 78 Millionen Aktien für 2,1 Milliarden Euro gehandelt. Der 90-Tage-Durchschnitt liegt mit rund 2,8 Milliarden Euro deutlich höher.

Auch an der Wall Street hielten sich die Anleger bedeckt, so dass die großen Indizes zum Handelsschluss der europäischen Börsen kaum verändert notierten. Der am Nachmittag veröffentlichte ISM-Einkaufsmanagerindex für die Dienstleistungsbranche sank etwas, brachte aber dennoch keine neuen Impulse, sondern stand im Schatten der Wahlen am Dienstag. Umfragen zufolge sieht es bei der US-Präsidentenwahl nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Amtsinhaber Barack Obama von den Demokraten und seinem republikanischen Herausforderer Mitt Romney aus. Zudem wird befürchtet, dass am Wahlabend ähnlich wie bei der Wahl im Jahr 2000 kein klares Ergebnis feststeht und die Auszählung der Stimmen sich hinziehen könnte. "Die politische Unsicherheit in der weltgrößten Volkswirtschaft lastet auf der Stimmung und sorgt dafür, dass die Investoren jedes Risiko scheuen", erklärte Händlerin Anita Paluch von Gekko Global Markets.

Parallel zur Präsidentenwahl steht am Dienstag in den USA auch die Wahl des Repräsentantenhauses, in dem derzeit die Republikaner das Sagen haben, und eines Drittels des US-Senats an, wo die Demokraten die Mehrheit stellen. Da sich an diesen Mehrheitsverhältnissen voraussichtlich nicht viel ändern wird, fürchten viele Analysten gleich nach der Wahl Streit um die US-Haushaltspolitik. Bis Januar müssen sich Präsident, Repräsentantenhaus und Senat auf einen Plan zum Schuldenabbau einigen. Sonst droht die US-Konjunktur wegen auslaufender Steuererleichterungen bei zeitgleichen automatischen Ausgabenkürzungen über die sogenannte "Haushaltsklippe" (Fiscal Cliff) in die Rezession zu stürzen.

GRIECHENLAND-SORGEN BELASTEN FINANZWERTE

Dazu kommen Händlern zufolge neue Sorgen um Griechenland. Am Mittwoch soll das Parlament in Athen mit Voten über ein Reformpaket und den Haushalt 2013 den Weg für die Auszahlung weiterer Milliardenhilfen frei machen. Auch über einen Schuldenschnitt - dieses Mal zu Lasten der staatlichen Gläubiger, also der Steuerzahler - diskutiert.

Die Befürchtungen drückten vor allem auf einige Finanzwerte. Der Branchenindex für die Banken aus der Euro-Zone fiel um 1,5 Prozent. Ähnlich hoch war auch der Verlust der Titel der Deutschen Bank. Die großen italienischen und spanischen Banken verloren im Schnitt je etwa zwei Prozent. Zu den Verlierern zählten auch die Aktien von HSBC mit einem Abschlag von 1,3 Prozent. Ein Geldwäsche-Skandal in den USA könnte die Bank mehr als 1,5 Milliarden Dollar an Strafzahlungen kosten.

SALZGITTER SORGT KURZ VOR SCHLUSS FÜR NEGATIVE SCHLAGZEILEN

Größter Dax-Verlierer waren die Aktien der Post mit einem Abschlag von gut zwei Prozent. Das Bundeskartellamt geht Beschwerden von Konkurrenten nach. Danach soll die Post Großkunden wie Banken oder Krankenkassen mit nicht kostendeckenden Preisen gelockt haben, um Wettbewerber aus dem Markt zu drängen oder fernzuhalten.

Im Nebenwerte-Index MDax stürzten die Salzgitter-Aktien um 3,6 Prozent ab, als der Stahlkonzern kurz vor Handelsschluss seine Jahresprognose senkte.

Die Aktien des Stahlhändlers Klöckner & Co. (KlöCo) setzten sich nach einer Kaufempfehlung der Citigroup mit einem Kursplus von 4,7 Prozent an die MDax-Spitze. Die Titel von Schmierstoffhersteller Fuchs Petrolub profitierten von Geschäftszahlen und stiegen um knapp zwei Prozent.

 
Traders are pictured at their desks in front of the DAX board at the Frankfurt stock exchange November 5, 2012. REUTERS/Remote/Marthe Kiessling (GERMANY - Tags: BUSINESS)