Dollar macht vor US-Wahl Boden gut

Montag, 5. November 2012, 15:56 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Unsicherheit über einen weiteren Schuldenschnitt in Griechenland und ermutigende Konjunkturdaten aus den USA haben Anleger am Montag in den Dollar getrieben.

Zu einem Korb aus sechs Währungen stieg der Greenback auf den höchsten Stand seit zwei Monaten. Der Euro fiel am Tag vor den US-Präsidentschaftswahlen auf 1,2765 Dollar zurück, den niedrigsten Stand seit dem elften September. Am Freitag hatte er noch über 1,28 Dollar notiert.

Für Verstimmung sorgte vor allem Griechenland: Die Abgeordneten in Athen sollen am Mittwoch über ein Spar- und Reformpaket abstimmen, mit dem eine Finanzierungslücke von 13,5 Milliarden Euro geschlossen werden soll. Griechenland muss die Maßnahmen auf den Weg bringen, um weitere 31,5 Milliarden Euro aus dem zweiten Hilfsprogramm des Euro-Rettungsschirms EFSF und des IWF zu bekommen. Unklar ist bislang aber, wie Griechenland auch langfristig wieder auf eine solide Finanzierungsbasis gestellt werden kann.

Da die Schulden wegen der tiefen Rezession weiter wachsen, wird inzwischen über einen zweiten Schuldenschnitt spekuliert - diesmal zu Lasten der staatlichen Gläubiger. Im Frühjahr hatten die privaten Gläubiger des Landes auf Forderungen von 100 Milliarden Euro verzichtet. "Sollte man der Situation in Athen nun mit einem weiteren Schuldenschnitt begegnen, wäre das das mittelfristige Ende der europäischen Rettungsbemühungen mittels Rettungsschirm und Hilfsprogrammen", urteilte Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz. Angesichts der unklaren Lage dürfte der Euro in den kommenden Tagen erst einmal unter Druck bleiben, prognostizierte der Experte.

INVESTOREN HOFFEN BEI US-WAHL AUF KLARE VERHÄLTNISSE

Zur Euro-Schwäche trugen laut Marktexperten auch die am Freitag veröffentlichten Arbeitsmarktdaten bei. Die US-Wirtschaft schuf im Oktober mehr Jobs als erwartet. Investoren spekulierten nun darauf, dass die US-Notenbank Fed ihren geldpolitischen Lockerungskurs nicht noch stärker ausweiten dürfte - was dem Dollar entgegen kommen sollte. Zuletzt hatte die Fed Mitte September weitere Aufkäufe von Immobilienanleihen in großem Stil beschlossen, um der Wirtschaft auf die Beine zu helfen.

Großer Unsicherheitsfaktor für die Anleger war dagegen der Ausgang der US-Wahl. Sie interessiert vor allem, wie sich das Machtverhältnis von Demokraten und Republikanern entwickelt. Gegenwärtig ist das Repräsentantenhaus in der Hand der Republikaner und der Senat wird von den Demokraten kontrolliert. Das dürfte sich Umfragen zufolge nicht ändern. Sollte der neue Präsident keine klare Mehrheit im Kongress haben, drohen politischer Stillstand und enorme finanzielle Probleme. Der Dollar könnte in einer solchen politischen Konstellation ordentlich unter Druck geraten, prognostizieren Analysten.

Am Rentenmarkt zogen die Kurse der als sicherer Hafen geltenden Bundesanleihen an. Entsprechend zurück ging die Rendite - sie lag bei 1,424 Prozent nach 1,451 Prozent im Schlussgeschäft vom Freitag. Spanische und italienische Papiere wurden dagegen abgestoßen. Die Zinsen kletterten auf 5,771 beziehungsweise 5,020 Prozent.