Europas Aktienmärkte im Bann der US-Wahlen

Dienstag, 6. November 2012, 18:12 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Am US-Wahltag hat es am Dienstag an Europas Aktienmärkten nur ein Thema gegeben: Wird es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Amtsinhaber Barack Obama und seinem republikanischen Herausforderer Mitt Romney oder erwartet die Welt eine Hängepartie à la 2000, als das Oberste Gericht Wochen später die Wahl entschied.

Der Dax stieg um 0,7 Prozent auf 7377 Punkte. Der EuroStoxx legte ebenfalls mehr als ein halbes Prozent zu. "Wie nachhaltig diese Aufwärtsbewegung ausfällt sei dahingestellt, da die Umsätze wie bereits am Vortag eher gering ausfallen", warnte Marktanalyst Gregor Kuhn von IG Markets. Nach wie vor warte ein Großteil der Anlegerschaft das US-Wahlergebnis ab und halte sich mit Neuengagements zurück.

Umfragen zufolge liegen Obama und Romney fast gleichauf - mit einem leichten Vorteil für den Amtsinhaber. "Sollte Obama gewinnen, könnte das für Aktien aus dem Gesundheitssektor positiv sein. Gewinnt Romney stehen vermutlich die Kurse der Rüstungsbranche wieder höher im Kurs", fasste ein Händler die Folgen für den Aktienmarkt zusammen. Neben dem Präsidenten wählten die Amerikaner am Dienstag auch ein Drittel der 100 Senatoren und das gesamte Repräsentantenhaus neu. Im Senat verfügen die Demokraten bislang über eine knappe Mehrheit, im Repräsentantenhaus haben die Republikaner das Sagen.

Nach den meisten Umfragen dürfte sich an diesem Kräfteverhältnis wenig ändern. Dabei steht gleich nach der Wahl ein neuer Härtetest an: Bis Januar müssen sich Präsident, Senat und Repräsentantenhaus auf Kompromisse in der Steuer- und Haushaltspolitik einigen, sonst treten massive Ausgabekürzungen in Kraft und laufen zeitgleich eine Reihe von Steuervergünstigungen aus. Dies könnte die weltgrößte Volkswirtschaft über die Haushaltsklippe (Fiscal Cliff) in die Rezession stürzen - für die Märkte ein Horrorszenario.

VW-AKTIEN NACH WANDELANLEIHE AUF TALFAHRT

Im Dax stand vor allem die Talfahrt der VW-Aktien im Sog der Platzierung einer Pflichtwandelanleihe im Fokus. Die Papiere verloren vier Prozent auf 155,70 Euro. Mit den eingenommenen 2,5 Milliarden Euro wollen die Wolfsburger nach der Komplettübernahme von Porsche ihre Kasse aufbessern und ihre Investitions- und Wachstumspläne vorantreiben. Bei der VW-Tochter MAN löste das Spekulationen auf die Übernahme der restlichen Anteile aus. Die Papiere des Lkw-Bauers legten im MDax um 3,2 Prozent zu.

Nicht besonders gut kam BMW mit seinen Quartalszahlen bei den Anlegern an. Die Aktien des Autobauers fielen gegen den Trend um 0,7 Prozent.

Nach einer Herunterstufung durch die Analysten von Morgan Stanley sanken die Aktien von E.ON um 1,1 Prozent ab. Morgan Stanley hatte die Titel auf "Underweight" von "Equal-Weight" heruntergenommen und das Kursziel gesenkt.

Auf der Verliererseite standen auch die Lanxess-Aktien mit einem Abschlag von 1,8 Prozent. Die Absatzprobleme der Autoindustrie in Europa hinterlässt in der Bilanz des weltgrößte Herstellers von synthetischem Kautschuk, der unter anderem in Autoreifen und in Dichtungen verwendet wird, tiefe Spuren.   Fortsetzung...