Euro vor Votum in Athen und US-Wahlergebnis stabil

Dienstag, 6. November 2012, 17:25 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die anstehende Abstimmung im griechischen Parlament zum neuen Sparpaket hat bei den Anlegern am Devisenmarkt für Verunsicherung gesorgt.

Schwache Konjunkturdaten aus der Eurozone trugen zu der seit Tagen eher gedrückten Stimmung bei. Der Euro pendelte am Dienstag um 1,28 Dollar und damit leicht über seinem Vortagesschluss. Er hielt sich damit auf dem tiefsten Stand seit fast zwei Monaten.

Ein weiterer Grund für die Unsicherheit waren die US-Präsidentschaftswahlen. Der demokratische Amtsinhaber Barack Obama und sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney lieferten sich im Wahlkampf ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Ein erster Trend wird von den so genannten Nachwahl-Befragungen (exit polls) in der Nacht (MEZ) erwartet.

ABSTIMMUNG IM GRIECHISCHEN PARLAMENT ENTSCHEIDEND

In Griechenland werden am Mittwoch die Abgeordneten über die nunmehr geplanten Einsparungen und Steuererhöhungen im Volumen von 13,5 Milliarden Euro abstimmen. Ein Ja ist entscheidend für die Auszahlung der dringend benötigten neuen Hilfstranche der internationalen Geldgeber. "Investoren sind desillusioniert, was die Euro-Zone betrifft", sagte Währungsstratege Neil Mellor von der Bank of New York Mellon. Selbst wenn die Abgeordneten dem Sparplan zustimmten, werde wohl jede Erholung des Euro nur kurzfristig sein. Umfragen zufolge zeichnet sich eine knappe Mehrheit für das Sparpaket ab. Am Dienstag lähmte unterdessen ein Generalstreik das öffentliche Leben in dem südeuropäischen Land, für Mittwoch sind weitere Aktionen geplant.

Unterdessen laufen die Geschäfte der Dienstleister in der Euro-Zone so schlecht wie zuletzt im Juli 2009. Der Composite-Index sackte im Oktober um 0,4 auf 45,7 Punkte ab und blieb damit deutlich unter der 50-Punkte-Marke ab der Wachstum signalisiert wird. Sogar in Deutschland beschleunigte sich die Talfahrt. "Die Einkaufsmanagerindizes und das Auftragsminus der deutschen Industrie sind sehr schwach, und die Schwäche der Euro-Zone wird auch den Euro weiter belasten", sagte Währungsstratege Steven Saywell von BNP Paribas.

BANKENVERBAND SIEHT STEIGENDE RENDITE DER BUNDESANLEIHEN

Etwas zuversichtlicher agierten Anleger am Rentenmarkt. Spanische und italienische zehnjährige Anleihen waren gefragt und rentierten am Nachmittag mit 5,70 (spätes Vortagesgeschäft: 5,77) beziehungsweise 4,92 (5,00) Prozent. Die Rendite griechischer Zehnjährige ging zurück auf 17,2 (17,9) Prozent. "Am Rentenmarkt hofft man darauf, dass das griechische Votum positiv ausfallen wird, und dann erst einmal wieder etwas Ruhe einkehrt", sagte ein Händler.

Bei Bundesanleihen war dagegen wenig Bewegung. Zehnjährige Papiere rentierten praktisch unverändert mit 1,43 Prozent. Zu Jahresbeginn hatten die Titel noch 1,9 Prozent abgeworfen, doch nach sicheren Anlagen suchende Investoren fragten die Titel in den vergangenen Monaten stark nach, so dass die Rendite spürbar sank. Nach Einschätzung des Bundesverbands Öffentlicher Banken (VÖB) wird sich das im kommenden Jahr wieder ändern. Eine wirtschaftliche Stabilisierung im Euro-Raum und ein damit einhergehend zurückkehrendes Vertrauen an den Finanzmärkten werde die Renditen der Bundesanleihen anziehen lassen, so die Auffassung des Verbands. DekaBank und DZ Bank sind mit ihrer Prognose von 1,8 Prozent im November 2013 am zurückhaltendsten, am weitesten nach vorne traut sich die HSH Nordbank, die eine Rendite von 2,1 Prozent vorhersagt.