Quartalsbilanzen stützen Dax - Banger Blick gen USA

Donnerstag, 8. November 2012, 14:48 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Getragen von vereinzelten positiven Geschäftszahlen von Branchengrößen wie Siemens haben die Aktienbörsen am Donnerstag zugelegt.

Trübe europäische Konjunkturaussichten und das drohende Schuldendrama in den USA bremsten allerdings die Erholung. Dax und EuroStoxx50 stiegen jeweils um etwa ein halbes Prozent auf 7261 beziehungsweise 2497 Punkte, nachdem sie am Vortag um zwei Prozent abgerutscht waren.

"Die heute vorgelegten Zahlen waren unter dem Strich durchwachsen", sagte ein Börsianer. "Wirklich überzeugen kann kaum noch ein Unternehmen. Wenn die Zahlen gut sind, ist oft der Ausblick schlecht. Das reicht dann einfach nicht mehr." Nach Ansicht von Marktanalysten Roger Peeters vom Bankhaus Close Brothers Seydler sind die Anleger nach ihrer Freude über die rasche und eindeutige Entscheidung der US-Präsidentschaftswahl wieder zurück in der Realität. Daher rückten Belastungsfaktoren wie die sogenannte "Fiskalklippe" in den USA, das konjunkturelle Umfeld oder die Bilanzsaison als Belastungsfaktor wieder in den Vordergrund.

In den USA laufen zum Jahreswechsel Steuererleichterungen aus und stehen automatische Ausgabenkürzungen an, sofern sich Präsident und Kongress nicht auf einen neuen Haushalt einigen können. Nach Ansicht der Experten könnte die weltgrößte Volkswirtschaft über diese "Fiskalklippe" in eine Rezession stürzen.

Nach einer Reihe enttäuschender Konjunkturdaten spekulierten einige Investoren auf eine Leitzins-Senkung durch die Europäische Zentralbank (EZB). Die Währungshüter beließen den Schlüsselsatz am Donnerstag jedoch bei 0,75 Prozent.

SIEMENS UND REPSOL TOP - COMMERZBANK UND ADIDAS FLOP

Das Dax-Schwergewicht Siemens gehörte dank überraschend starker Geschäftszahlen zu den Favoriten im deutschen Leitindex. Die Aktie gewann 3,5 Prozent auf 81,58 Euro. Positiv überrascht hätten zudem die Großaufträge, vor allem bei margenstarken Gasturbinen, schrieb LBBW-Analyst Volker Stoll in einem Kommentar. "Das Kostensenkungsprogramm ist mit sechs Milliarden Euro erheblich umfangreicher als das vom Markt erwartete Volumen von drei Milliarden Euro."

Ein Plus von 3,9 Prozent verzeichneten die Titel von HeidelbergCement. Umsatz und operatives Ergebnis des Baustoffkonzerns waren im dritten Quartal gestiegen. "Insgesamt hat das Unternehmen ein solides Ergebnis vorgelegt", schrieb DZ-Bank-Analyst Marc Nettelbeck in einem Kommentar. Ein positives Zeichen sei zudem die Bestätigung der Geschäftsprognose für 2012.

Auf europäischer Ebene waren Repsol stark gefragt. Der spanische Ölkonzern hatte einen Quartalsgewinn über Markterwartungen vorgelegt. Die Papiere zogen an der Börse Madrid um 2,8 Prozent auf 15,43 Euro an.

Auf der Verkaufsliste der Investoren stand dagegen die Commerzbank mit einem Abschlag von 3,8 Prozent ganz oben. Sie reagierten damit auf einen geringer als erwartet ausgefallenen Quartalsgewinn. Für Enttäuschung sorgten auch die Investitionspläne: Insgesamt will die Bank zwei Milliarden Euro in das Kerngeschäft stecken. Das sei alles nicht sehr überraschend oder revolutionär, monierte ein Händler.