Draghi lässt Devisenanleger ratlos zurück

Donnerstag, 8. November 2012, 16:54 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - EZB-Chef Mario Draghi hat Devisenanleger nach seiner Pressekonferenz zumeist ratlos zurückgelassen, dem Euro aber etwas Luft verschafft.

Die Gemeinschaftswährung zog leicht auf 1,2750 Dollar an, vor den Aussagen des EZB-Chefs hatte sie um 1,2720 Dollar notiert.

Draghi habe sich die Tür für eine Zinssenkung zwar offen gehalten, sagten Händler. Allerdings schätzten Anleger die Wahrscheinlichkeit für einen Schritt schon im Dezember nun geringer ein als vor seinen Aussagen. Das stütze den Euro.

Es gab aber auch andere Interpretationen: Volkswirt Howard Archer von IHS Global Insight hält es weiter für wahrscheinlich, dass schon im Dezember die nächste Zinssenkung zu erwarten ist. Archer verwies darauf, dass laut Draghi im EZB-Rat im Vorfeld der aktuellen Zinsentscheidung "alle geldpolitischen Instrumente" diskutiert worden seien. "Das steht im Kontrast zu seinen Kommentaren nach den Treffen im September und Oktober, als Herr Draghi jeweils sagte, dass keine Zinssenkungen diskutiert worden seien", begründete Archer seine Erwartung.

Die EZB hatte vor der Pressekonferenz von Draghi den Leitzins auf dem historischen Tief von 0,75 Prozent bestätigt. Angesprochen auf die Möglichkeit weiterer Zinssenkungen behalf sich der EZB-Chef mit der Floskel, dass die EZB bereit sei zu handeln, wenn es nötig werde.

SPANISCHE RENDITEN NACH ANLEIHENAUKTION HÖHER

Am Rentenmarkt standen spanische Anleihen im Fokus. Nach der Auktion neuer Staatsanleihen zogen die Renditen der am Sekundärmarkt gehandelten Bonds spürbar an. Händler sagten, die neuen Papiere müssten vom Markt erst einmal aufgenommen werden, deshalb gebe es verstärkte Verkäufe der bereits gehandelten.

Die Rendite spanischer Zehnjähriger zog an auf bis zu 5,86 Prozent nach 5,72 Prozent im späten Vortagesgeschäft. Das war der höchste Stand seit Mitte Oktober. Fünfjährige Titel warfen 4,7 (4,55) Prozent ab.

"Grundsätzlich ist die Auktion positiv zu werten, wenn auch mit Einschränkungen", sagte ein Händler. "Aber wenn man sich die aktuellen Renditen anschaut, da haben sie doch vor zwei Monaten von geträumt." Das südeuropäische Land hat für insgesamt 4,8 Milliarden Euro neue Anleihen ausgegeben und damit die Finanzierung fürs Gesamtjahr erfolgreich abgeschlossen. Erstmals seit anderthalb Jahren wurde auch wieder eine über 20 Jahre laufende Anleihe versteigert. Analysten werteten es als positiv, dass die Anleihe komplett platziert werden konnte. Allerdings sei die hohe Rendite von 6,33 Prozent enttäuschend.

Im Schlepptau der spanischen Papiere gerieten auch italienische Anleihen unter Druck. Die Rendite der zehnjährigen Schuldverschreibungen stieg auf fünf Prozent von 4,92 Prozent im späten Vortagesgeschäft. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten kaum verändert mit 1,37 Prozent.

Für Verunsicherung sorgten unterdessen Spekulationen, wonach Madrid im laufenden Jahr doch keinen Antrag auf internationale Finanzhilfen stellen könnte. Investoren befürchten, dass sich in diesem Fall die europäische Schuldenkrise noch länger hinziehen könnte. Viele gehen davon aus, dass Spanien um einen Hilfsantrag nicht herumkommen wird, um die Probleme mit den heimischen Banken in den Griff zu bekommen. Je schneller sie um Gelder bitten, um ihre Wirtschaft wieder in Schwung zu bekommen, desto besser - so das Kalkül der Investoren. Vor der EZB-Pressekonferenz hatten die Spekulationen auch den Euro belastet und ihn auf ein Zwei-Monats-Tief von 1,2716 Dollar fallen lassen.