Sorge um US-Staatsfinanzen hat Dax fest im Griff

Freitag, 9. November 2012, 10:38 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Das Szenario eines Schuldendrama in den USA macht den Dax-Anlegern weiter weiche Knie.

Der deutsche Leitindex verlor am Freitag 0,6 Prozent auf 7159 Zähler - auf Wochensicht kommt er damit auf ein Minus von 2,7 Prozent. Nach dem Sieg Barack Obamas bei den US-Präsidentschaftswahlen liegen die haushaltspolitischen Probleme weiter auf dem Tisch. Zum Jahreswechsel laufen in Amerika Steuererleichterungen aus und es stehen automatische Ausgabenkürzungen an, falls sich Präsident und Kongress nicht auf einen neuen Etat einigen können. Nach Ansicht der Experten könnte die weltgrößte Volkswirtschaft über diese sogenannte "Fiskalklippe" in eine Rezession stürzen. Angesichts dieses großen Unsicherheitsfaktors sei mit steigenden Märkten erst einmal nicht mehr zu rechen, sagte ein Händler.

Vor allem die Finanzwerte bekamen die Nervosität der Anleger zu spüren. Der europäische Bankenindex gab 0,7 Prozent nach. Im Dax gehörten Commerzbank und Deutsche Bank mit Abschlägen von 4,9 beziehungsweise 2,2 Prozent zu den größten Verlierern. Bei der Commerzbank wirkten die mit Enttäuschung aufgenommenen Quartalszahlen und Umbaupläne der Bank noch nach, wie ein Börsianer erklärte.

Die zweitgrößte deutsche Bank will zwei Milliarden Euro investieren, um das Kerngeschäft auf Vordermann zu bringen und eine Million neue Kunden in die Filialen zu locken. Dafür sollen die Kosten bis 2016 um eine Milliarde Euro sinken. Die Analysten der LBBW äußerten sich skeptisch: "Wir interpretieren die gesamte Roadmap 2016 als Kostenmanagementstory und weniger als Wachstumsinitiative oder Neuausrichtung. Ein Happy End im Jahr 2016 ist mit vielen Unsicherheiten behaftet."

ANALYSTENLOB MACHT INFINEON ATTRAKTIV

Interesse zeigten Investoren dagegen an Infineon, die sich mit einem Plus von 1,3 Prozent auf 5,40 Euro an die Dax-Spitze setzten. Die Analysten von Bernstein nahmen die Titel mit "Outperform" und einem Kursziel von 7,70 Euro in ihre Bewertung auf. "Nach einem Jahrzehnt schmerzhafter Restrukturierungsmaßnahmen hat sich Infineon zu einem hoch qualitativen Halbleiterkonzern für die Industrie entwickelt", erläuterten die Experten. Das Unternehmen habe gute Wachstumschancen, weil Halbleiter unter anderem in der Autoindustrie wichtiger würden.

Deutlich ins Rutschen gerieten die Aktien von Rheinmetall, nachdem das Unternehmen seine Jahresprognose heruntergeschraubt hat. Der Vorstand erklärte dies mit der schwachen Automobilproduktion in Europa und der lahmenden Nachfrage nach Panzerfahrzeugen. Die Papiere fielen um bis zu 5,8 Prozent auf 32,80 Euro, den niedrigsten Stand seit knapp fünf Monaten.