Konjunkturschwäche und Griechenland-Krise drücken Euro

Freitag, 9. November 2012, 15:30 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Angesichts der schwächelnden Konjunktur in Europa haben die Anleger der Gemeinschaftswährung am Freitag den Rücken zugekehrt.

Der Euro fiel um mehr als einen halben US-Cent auf 1,2688 Dollar zurück, den tiefsten Stand seit Anfang September. Zurzeit mache ein giftiger Cocktail der Gemeinschaftswährung zu schaffen, sagte Arne Lohmann Rasmussen, Währungsstratege bei Danske Markets. Die Wirtschaftsdaten aus Europa enttäuschten und die Krise in Griechenland sei wieder ganz oben auf der Tagesordnung. Deshalb sollte es nicht verwundern, wenn der Euro in den nächsten drei bis vier Wochen auf 1,25 Dollar zurückfalle, sagte Währungsexperte Rasmussen.

Belastet wurde der Euro von Hiobsbotschaften aus Frankreich: Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone wird nach Einschätzung der nationalen Notenbank im vierten Quartal in die Rezession rutschen. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte wie im abgelaufenen Sommerquartal um 0,1 Prozent schrumpfen.

Auch aus Deutschland kamen laut Händlern beunruhigende Signale. Die Bundesregierung rechnet vorerst nicht damit, dass von den Exporten in den kommenden Monaten ein Schub für die deutsche Wirtschaft ausgehen wird. Im September waren die Ausfuhren wegen der einbrechenden Nachfrage aus der Euro-Zone so stark gefallen wie seit dem Krisenjahr 2009 nicht mehr. Viele Ökonomen gehen inzwischen davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal schrumpfen wird - zum ersten Mal seit Ende 2011.

Für Unruhe sorgte zudem, dass die Freigabe neuer Finanzhilfen für das pleitebedrohte Griechenland weiter aussteht. Die Euro-Gruppe wird Diplomaten zufolge am Montag nicht über die nächste Hilfstranche entscheiden. Griechenland hat zuletzt weitere Sparpakete auf den Weg gebracht. Am Sonntag muss das Parlament aber noch dem um ein Sparpaket erweiterten Haushalt zustimmen. Es steht zudem noch eine Bewertung der internationalen Geldgeber von EU und Internationalem Währungsfonds (IMF) aus, ob damit die Basis für die Auszahlung weiterer Mittel gelegt ist.

Am Rentenmarkt griffen die Anleger bei den zehnjährigen Bundesanleihen zu, die gern als sicherer Hafen angesteuert werden. Die Kurse stiegen, entsprechend gingen die Renditen auf 1,315 Prozent nach 1,358 Prozent im Vortagesgeschäft zurück.