US-Haushaltsstreit drückt Asien-Börsen weiter ins Minus

Montag, 12. November 2012, 09:46 Uhr
 

Tokio (Reuters) - Anleger in Asien haben sich aus Furcht vor einem Abrutschen der USA und Japans in die Rezession zu Wochenbeginn zurückgehalten.

Es herrsche eine große Unsicherheit am Markt, sagte Juliana Roadley, Analystin bei Commonwealth Securities. "Weltweit gibt es einige Probleme zu bewältigen." Japans Wirtschaft schrumpfte im dritten Quartal um 0,9 Prozent. Es war der erste Rückgang seit drei Quartalen. Auch die drohende Haushaltskrise in den USA drückte weiter auf die Stimmung in Fernost.

Ermutigende Konjunkturdaten aus den beiden größten Volkswirtschaften der Welt, den USA und China, hielten die Verluste jedoch in Grenzen. Die Zustimmung des griechischen Parlaments zum Haushalt 2013 am Sonntagabend sorgte zudem für etwas Erleichterung in der europäischen Schuldenkrise. Eine Entscheidung der Euro-Finanzminister für weitere Hilfszahlungen an das Land ist am Montag aber noch nicht zu erwarten. Der Euro legte dennoch auf 1,2728 Dollar zu.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index beendete den Handel mit einem Minus von 0,9 Prozent bei 8676 Punkten. Es war der sechste Tag in Folge mit Verlusten und damit die längste Durststrecke seit Juli. Der breiter gefasste Topix-Index gab ein Prozent auf 722 Punkte nach. Auch die Börsen in Shanghai, Singapur, Korea und Taiwan ließen Federn, allerdings nicht so deutlich wie die Tokio. Lediglich Hongkong verzeichnete leichte Gewinne.

Besonders die Exportwerte litten unter der Furcht vor einer Rezession der USA, da diese dann am stärksten getroffen werden könnten. So gaben Toyota-Papiere 1,7 Prozent nach, Honda und Canon verloren jeweils 1,3 Prozent.

Auch nach der Rede von US-Präsident Barack Obama am Freitag ist weiter unklar, wie die "Fiskalklippe" in den USA umschifft werden soll. Investoren fürchten einen Rückfall des Landes in die Rezession, sollten sich Demokraten und Republikaner im Kongress nicht bald auf einen Haushaltskompromiss einigen. Denn dann würden zum Jahreswechsel automatisch Steuererhöhungen und Einsparungen im Volumen von rund 600 Milliarden Dollar einsetzen, die nach Einschätzung von Experten die US-Wirtschaft in eine neue Krise manövrieren könnten. Obama lud führende Vertreter beider Kongress-Parteien zu Gesprächen in dieser Woche ins Weiße Haus ein.

Unerwartet gute Daten boten etwas Stützung für die Märkte in Fernost. Die Stimmung der US-Konsumenten ist so gut wie seit mehr als fünf Jahren nicht mehr. Der am Freitag veröffentlichte Index für das Verbrauchervertrauen im November stieg nach vorläufigen Berechnungen auf 84,9 Zähler von 82,6 Punkten im Vormonat.

Zudem nimmt die Wirtschaft in China wieder an Fahrt auf. So schwoll der Handelsüberschuss im Oktober auf den höchsten Stand seit fast vier Jahren an. Die Exporte kletterten im vergangenen Monat zudem um mehr als elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr.