Schuldendramen und US-Feiertag lähmen Dax-Anleger

Montag, 12. November 2012, 18:22 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Im Bann der Schuldenkrisen in der Euro-Zone und den USA haben sich die Anleger an den europäischen Aktienmärkten am Montag kaum mehr aus der Deckung gewagt.

"Viele Anleger wissen im Moment aus den Nachrichten keine klaren Schlüsse zu ziehen: Zum einen ist da weiter die Angst um Griechenland und zum anderen weiß niemand, wann und wie der Haushaltsstreit in den USA beigelegt wird. Da scheint Zurückhaltung die beste Strategie zu sein", fasste ein Händler die Stimmung zusammen. Nach den Verlusten der vergangenen Handelswoche stabilisierten sich die Kurse etwas. Der Dax schloss mit 7168 Punkten nahezu unverändert. Der EuroStoxx verlor etwa 0,2 Prozent.

In der vergangenen Woche hatten Dax und EuroStoxx vor allem angesichts der zu erwartenden Hängepartie um den US-Haushalt je etwas mehr als zweieinhalb Prozent eingebüßt. Daneben schwelt weiter das Drama und Griechenlands Finanzierung. So verabschiedete das Parlament in Athen am Wochenende den um ein Sparpaket erweiterten Haushalt für 2013 und erfüllte damit eine Voraussetzung für die Zahlung neuer Hilfsgelder. Nach Einschätzung einer Expertengruppe seiner internationalen Geldgeber aus EZB, EU-Kommission und IWF braucht die Athener Regierung aber mehr Geld und mehr Zeit. Am Abend wollte die Euro-Gruppe über den Bericht der Troika beraten, der die entscheidende Grundlage für die Freigabe weiterer Gelder ist.

Wegen des "Veterans Day" in den USA blieben Impulse von der anderen Seite des Atlantiks weitgehend aus. Dies drückte die Umsätze im Dax auf 1,9 Milliarden Euro von 3,3 Milliarden Euro am Freitag. Allerding hatten die US-Aktienbörsen geöffnet, der Rentenmarkt war hingegen geschlossen.

WINCOR GEFÄLLT ANLEGERN AUF DEN ZWEITEN BLICK

An der Dax-Spitze standen die Aktien von K+S mit einem Plus von zwei Prozent auf 35,91 Euro. Der Düngemittelkonzern veröffentlicht am Dienstag sein Zwischenergebnis.

Ebenfalls unter die Top-Ten schafften es die Commerzbank-Aktien mit einem Plus von 1,2 Prozent auf 1,34 Euro, womit sie aber nur einen kleinen Teil des Vorwochenverlustes von 12,7 Prozent wettmachten. Die Aktien der Deutschen Bank schlossen 0,3 Prozent schwächer und lagen damit etwas besser als die meisten Banken in der Euro-Zone, die im Schnitt 0,6 Prozent verloren. Die Diskussion um die Verschärfung der Kapitalregeln für Banken spielte Händlern zufolge kaum eine Rolle. In den USA wird die Einführung dieser sogenannten Basel-III-Richtlinien vorerst verschoben. "Sollte das auch in der Euro-Zone Schule machen, könnten die Bankenwerte davon profitierten", sagte ein Händler.

Auf der Verliererseite standen die konjunkturabhängigen Werte ganz oben: Infineon fielen um 1,7 Prozent, ThyssenKrupp und BMW verloren je rund ein Prozent. "Konjunkturwerte sind wegen der Sorgen um die Weltwirtschaft im Moment einfach nicht en vogue", erklärte ein Händler.

Für Gesprächsstoff sorgten einige Werte aus der zweiten Börsenliga - allen voran der Geldautomatenhersteller Wincor Nixdorf. Nach anfänglichen Verlusten drehte die Aktie doch noch ins Plus und ging mit einem Tagesgewinn von drei Prozent aus dem Handel. Börsianern gefiel auf den zweiten Blick der Zwischenbericht, außerdem sei die Analystenkonferenz gut verlaufen, hieß es in Frankfurt.

Die Aktien des Stahlhändler Klöco profitierten von einer Anlageempfehlung der BNP Paribas und zogen um 2,3 Prozent an. Die Titel von Deutsche Wohnen stiegen 1,3 Prozent, nachdem die Immobilienfirma ihre Gesamtjahresziele erhöht hatte. Mit seinen Aussagen zum laufenden Jahr kam der Agrarhändler BayWa bei den Anlegern ebenfalls gut an: Die Aktien stiegen um knapp zwei Prozent.