Schwache Bilanzen schicken Europas Börsen in den Keller

Dienstag, 13. November 2012, 17:04 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Enttäuschende Geschäftszahlen und pessimistische Ausblicke von Unternehmen wie Vodafone oder E.ON haben die europäischen Aktienmärkte am Dienstag auf Talfahrt geschickt.

Die verschobene Entscheidung über die Auszahlung weiterer Gelder an Griechenland trübte die Stimmung der Investoren zusätzlich ein.

Der Dax fiel um 0,8 Prozent auf 7107 Punkte. Dabei gingen etwa zwei Drittel des Verlustes auf das Konto von E.ON, dessen Aktien wegen der Rücknahme der Mittelfrist-Ziele und der Spekulation auf eine Dividendenkürzung einen Rekord-Kurseinbruch verbuchten. Beim EuroStoxx50, der 0,4 Prozent auf 2462 Zähler nachgab, war der Versorger immerhin noch für die Hälfte des Index-Verlustes verantwortlich.

PESSIMISTISCHE AUSBLICKE VON E.ON UND VODAFONE

Angesichts der Schwierigkeiten, mit denen E.ON und auch seine europäischen Konkurrenten zu kämpfen hätten, komme dieser Schritt nicht überraschend, schrieb Barclays-Analyst Peter Bisztyga in einem Kommentar. "Die Fragen sind nun: Wie weit werden die neuen Ziele gesenkt, ist die Dividende in Gefahr und wo liegt die Talsohle?" Er gehe davon aus, dass die Ausschüttung auf bis zu 0,85 Euro je Aktie von derzeit 1,10 Euro zurückgehen werde.

Vor diesem Hintergrund brachen E.ON um mehr als elf Prozent ein. Dies ist der größte Tagesverlust der Firmengeschichte. Mit 14,67 Euro waren die Titel zeitweise so billig wie seit Mitte Juni nicht mehr. Dabei wechselten bis zum Mittag etwa sieben Mal so viele E.ON-Papiere den Besitzer wie an einem gesamten Durchschnittstag. Der Versorger büßte in der Spitze rund vier Milliarden Euro an Börsenwert ein. Zum Vergleich: Dies entspricht in etwa der gesamten Marktkapitalisierung des Flughafenbetreibers Fraport. Im Sog des E.ON-Kurssturzes verloren RWE 5,6 Prozent auf 31,44 Euro. RWE will am Mittwoch Zahlen vorlegen. Die Titel des französischen Versorgers EdF büßten zwei Prozent ein.

Vodafone ist ebenfalls pessimistisch. Nach milliardenschweren Abschreibungen in Südeuropa sowie einem Quartalsergebnis unter Markterwartungen schraubte der britische Mobilfunkanbieter seine Ergebnisziele für das Gesamtjahr zurück. Vodafone-Titel verloren daraufhin bis zu 5,9 Prozent und fielen auf ein 15-Monats-Tief von 156,78 Pence.

Für Enttäuschung sorgte auch der Quartalsbericht des Düngemittel- und Streusalz-Herstellers K+S. Vor allem das Kali-Geschäft sei unter den Erwartungen geblieben, schrieb Analyst Stefan Kick von Silvia Quandt Research. Daher stufe er die Aktie auf "Neutral" von "Buy" herunter und senke sein Kursziel auf 40 von 45 Euro. K+S gehörten mit einem Minus von 4,8 Prozent zu den größten Verlierern im Dax.

GRIECHISCHES SCHULDENDRAMA STEHT VOR DEM NÄCHSTEN AKT

Neben den Geschäftszahlen bereitete Euro-Sorgenkind Griechenland den Anlegern Bauchschmerzen. Die Euro-Gruppe hat die Entscheidung über die nächste Hilfstranche an das hoch verschuldete Land aufgeschoben. Sie verlangt von Griechenland die Einlösung weiterer Zusagen im Reformprogramm, um die Sanierung des öffentlichen Haushalts abzusichern. Deutschland und Frankreich erklärten, beim nächsten Finanzministertreffen der Euro-Zone am Dienstag kommender Woche eine politische Einigung anzustreben. Das Geld könne dann Ende des Monats nach Athen fließen. "Es ist ein nicht enden wollendes Hin und Her", sagte ein Händler.

Für etwas Erleichterung sorgte am Vormittag die vier Milliarden Euro schwere Emission kurzlaufender griechischer Staatsanleihen. Damit hat das hoch verschuldete Land eine drohende Finanzierungslücke größtenteils geschlossen. Am Freitag werden Bonds im Volumen von fünf Milliarden Euro fällig. Das restliche Geld will der Staat mit dem Verkauf weiterer Papiere am Mittwoch und Donnerstag einnehmen.

 
Traders are pictured at their desks in front of the DAX board at the Frankfurt stock exchange November 13, 2012. REUTERS/Remote/Staff (GERMANY - Tags: BUSINESS)