Euro stabil - Warten auf Einigung zu Griechenland

Dienstag, 13. November 2012, 15:40 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Hoffnung auf eine näher rückende Lösung für die Finanzprobleme Griechenlands hat den Euro am Dienstag stabilisiert.

Die Nachfrage nach den als sicher geltenden Bundesanleihen ging zurück.

Die Gemeinschaftswährung notierte am Nachmittag knapp unter 1,27 Dollar, nachdem sie in Reaktion auf einen unerwartet schwach ausgefallenen ZEW-Index am Morgen bis auf 1,2660 Dollar gefallen war. Der richtungsweisende Bund-Future lag wie schon im späten Vortagesgeschäft knapp über 143 Zählern. Zuvor hatte er in der Spitze um 31 Ticks angezogen.

"Die Meldungen über gebündelte Zahlungen an Griechenland haben den Euro etwas nach oben gehievt", sagte ein Händler. Einem Vorab-Bericht der "Bild"-Zeitung zufolge will die Bundesregierung, dass Athen von den internationalen Geldgebern auf einen Schlag 44 Milliarden Euro ausgezahlt bekommt. Eine Sprecherin des Finanzministeriums sagte dazu, dass es bisher keine Festlegungen auf eine Grundsatzvereinbarung mit Griechenland gebe.

"Man fragt sich, warum die Politik so lange braucht, um Klarheit zu schaffen", sagte Helaba-Analyst Ulrich Wortberg. Niemand stelle mehr in Zweifel, dass Griechenland in der Euro-Zone gehalten werden soll. Investoren seien aber darüber enttäuscht, dass die politischen Prozesse so lange dauern. So habe auch der aktuelle Streit zwischen den Euro-Staaten und dem IWF um den zeitlichen Rahmen zum griechischen Schuldenabbau die Anleger ziemlich beunruhigt. Derzeit streben die Euro-Staaten an, Griechenland bis 2022 Zeit zu geben, um seine Verschuldung auf 120 Prozent der Wirtschaftsleistung zu senken. Der IWF beharrt dagegen auf den ursprünglichen Zeitplan bis 2020.

"Investoren waren euphorisch, seit die EZB mit dem neuen Anleihenkaufprogramm vorgeprescht war. Jetzt sieht man Ernüchterung", brachte Wortberg die momentane Verfassung des Marktes auf den Punkt. Nachdem EZB-Chef Mario Draghi Ende Juli klar gemacht hatte, dass die Notenbank alles in ihrer Macht stehende tun werde, um den Euro zu erhalten, war die Gemeinschaftswährung bis Mitte September bis auf 1,3169 Dollar gestiegen. Inzwischen notiert der Euro fast fünf Cent niedriger.

Investoren sorgen sich jedoch nicht nur um Griechenland, sondern auch um Spanien. "Bezüglich Madrid ist der Druck im Moment etwas raus, weil sie ihren Finanzbedarf für 2012 gedeckt haben", sagte ein Händler. "Aber spätestens im nächsten Jahr geht das Bangen von vorne los." Die Renditen für Staatsanleihen des südeuropäischen Landes lagen bei 5,97 (spätes Vortagesgeschäft: 5,91) Prozent.

Selbst aus Deutschland kommen erste Alarmsignale. Nachdem zuletzt die Industrieproduktion unerwartet stark gesunken war, enttäuschte nun auch der ZEW-Index: Börsenprofis sehen die Entwicklung der deutschen Wirtschaft wieder deutlich skeptischer. Das Barometer zur Konjunkturentwicklung fiel im November auf minus 15,7 (Oktober: minus 11,5) Punkte. Analysten hatten eine sich aufhellende Einschätzung prognostiziert. "Angesichts der schwachen Wirtschaftsdaten in jüngster Vergangenheit sind die anhaltenden Konjunktursorgen nachvollziehbar", sagte Volkswirt Bernd Hartmann von der VP Bank.