Schwache Bilanzen bremsen Erholung europäischer Börsen

Dienstag, 13. November 2012, 18:02 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Hoffnung auf Fortschritte bei der Bewältigung der Schuldenkrise hat den europäischen Börsen am Dienstag zu einem Schlussspurt verholfen.

Enttäuschende Geschäftszahlen und pessimistische Ausblicke von Unternehmen wie Vodafone oder E.ON verhinderten jedoch eine stärkere Erholung.

Der Dax rettete sich knapp ins Plus und schloss bei 7169,12 Punkten. Der EuroStoxx50 legte sogar um 0,8 Prozent auf 2494,35 Zähler zu. Der Leitindex der Athener Börse verabschiedete sich nach einer Berg- und Talfahrt mit einem Kursgewinn von 0,4 Prozent in den Feierabend. An der Wall Street notierte der US-Standardwerteindex Dow Jones bei Börsenschluss in Deutschland 0,5 Prozent höher. Der Euro zog ebenfalls an und kostete 1,2710 Dollar. Im Gegenzug gaben am Terminmarkt die beiden Volatilitätsindizes VDax und VStoxx, die die Nervosität der Anleger messen, um jeweils knapp vier Prozent nach.

Für die Aufhellung der Anleger-Stimmung sorgten Börsianern zufolge Pläne der Bundesregierung, die Hilfszahlungen an Griechenland zu bündeln. Einige Investoren werteten dies als Zeichen, dass eine Einigung in der Frage der Freigabe dieser Gelder näher rücke. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble betonte aber, dass es noch eines Kontroll-Mechanismus für die Auszahlung bedürfe.

Euro-Staaten und Internationaler Währungsfonds (IWF) sind bislang uneins, wie viel Zeit die Regierung in Athen für den Abbau ihrer Schulden bekommen soll. "Es scheint ziemlich große Meinungsverschiedenheiten zwischen dem IWF und den Euro-Finanzministern zu geben", sagte Rabobank-Zinsstratege Lyn Graham-Taylor. "Wir gehen allerdings weiterhin davon aus, dass Griechenland die Euro-Zone nicht verlassen wird."

Anlagestratege Emmanuel Cau von JPMorgan warnte jedoch vor überzogenen Kurserwartungen. Er rechne mit weiteren Verlusten. Zum einen strichen wegen der trüben Konjunkturaussichten viele Analysten ihre Gewinnprognosen zusammen. Darüber hinaus sei die Schuldenkrise noch lange nicht bewältigt, weder in Europa noch in den USA.

Dort laufen zum Jahresende Steuererleichterungen aus, gleichzeitig drohen automatische Ausgabenkürzungen, wenn sich die Politik nicht auf einen neuen Haushalt einigt. Experten zufolge könnte die weltgrößte Volkswirtschaft über diese sogenannte "Fiskalklippe" in die Rezession stürzen.

PESSIMISTISCHE AUSBLICKE VON E.ON UND VODAFONE

E.ON brachen um bis zu 13,7 Prozent auf ein Fünf-Monats-Tief von 14,28 Euro ein. Dies ist der größte Tagesverlust der Firmengeschichte. Die Titel schlossen 11,5 Prozent tiefer bei 14,64 Euro. Dabei wechselten mehr als neun Mal so viele E.ON-Papiere den Besitzer wie an einem Durchschnittstag. In ihrem Sog verloren RWE 1,2 Prozent auf 32,93 Euro. Der Energiekonzern will am Mittwoch Zahlen vorlegen. Die Titel des französischen Versorgers EdF büßten 1,3 Prozent ein.

Angesichts der Schwierigkeiten, mit denen E.ON und auch seine europäischen Konkurrenten zu kämpfen hätten, überrasche es nicht, dass E.ON seine Mittelfrist-Prognosen kassiert habe, schrieb Barclays-Analyst Peter Bisztyga in einem Kommentar. "Die Fragen sind nun: Wie weit werden die neuen Ziele gesenkt, ist die Dividende in Gefahr und wo liegt die Talsohle?" Er gehe davon aus, dass die Ausschüttung auf bis zu 0,85 Euro je Aktie von derzeit 1,10 Euro zurückgehen werde.

Vodafone beurteilt die eigenen Geschäftsaussichten ebenfalls pessimistisch. Nach milliardenschweren Abschreibungen in Südeuropa sowie einem Quartalsergebnis unter Markterwartungen schraubte der britische Mobilfunkanbieter seine Ergebnisziele für das Gesamtjahr zurück. Vodafone-Titel fielen daraufhin zeitweise auf ein 15-Monats-Tief von 156,78 Pence und notierten am Abend 2,5 Prozent schwächer bei 162,06 Pence.