Drohende Schuldendramen machen Aktien-Anleger nervös

Mittwoch, 14. November 2012, 11:13 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Das drohende Schuldendrama in den USA und das Hick-Hack um weitere Hilfen für Griechenland haben europäischen Aktien-Anlegern am Mittwoch einiges Kopfzerbrechen bereitet.

Sie ließen sich selbst von den zahlreichen Unternehmensbilanzen nur vereinzelt hinter dem Ofen hervorlocken. "Die Anleger bleiben an der Seitenauslinie und warten auf eine Lösung, entweder für Griechenland oder die USA", sagte Anlage-Stratege Ioan Smith von Knight Capital. Weder Dax noch EuroStoxx50 kamen am Mittwochvormittag vom Fleck und notierten bei 7163 beziehungsweise 2491 Punkten.

Euro-Staaten und Internationaler Währungsfonds (IWF) wollen Griechenland drei Tranchen an Hilfskrediten im Volumen von 44 Milliarden Euro auf einen Schlag überweisen. Sie knüpfen dies jedoch an die Einrichtung eines Kontrollmechanismus, um künftig die Einhaltung der Zusagen besser sicherzustellen. Außerdem streiten die Helfer darüber, wie viel Zeit sie der Regierung in Athen zur Umsetzung der geforderten Reformen einräumen.

In den USA laufen zum Jahresende Steuererleichterungen aus, gleichzeitig drohen automatische Ausgabenkürzungen, wenn sich die Politik nicht auf einen neuen Haushalt einigt. Experten zufolge könnte die weltgrößte Volkswirtschaft über diese sogenannte "Fiskalklippe" in die Rezession stürzen.

INFINEON-SPARPROGRAMM KOMMT GUT AN - E.ON FALLEN WEITER

Trotz eines Gewinnrückgangs legten Infineon 3,8 Prozent auf 5,44 Euro zu und setzten sich damit an die Spitze des Dax. Anleger honorierten vor allem das geplante Sparprogramm. Trotz des konjunkturellen Abschwungs sei Infineon weiterhin auf einem guten Weg, betonte DZ Bank-Analyst Harald Schnitzer. Er hob dabei die Beibehaltung der Dividende als positives Zeichen hervor.

Mit Erleichterung reagierten Investoren auf die etwas besser als erwartet ausgefallenen Geschäftszahlen von RWE. Ihr anfängliches Zwei-Monats-Hoch von 34,08 Euro konnten die Papiere des Versorgers aber nicht halten und notierten am Vormittag nur noch knapp im Plus bei 32,99 Euro.

Schlusslicht der ersten deutschen Börsenliga war E.ON. Die Aktien des RWE-Konkurrenten fielen nach ihrem 11,5-prozentigen Rekord-Minus vom Dienstag um 3,4 Prozent auf ein neues Fünf-Monats-Tief von 14,14 Euro. Wegen der gekippten Mittelfrist-Ziele senkten zahlreiche Analysten ihre Kursziele oder stuften die Aktien herunter. Ein Rückfall der E.ON-Titel auf 14 Euro sei auf jeden Fall möglich, sagte ein Händler.

SKY IM AUFWIND - WANDELANLEIHE DRÜCKT EUROSHOP

Im Nebenwerte-Index MDax ragten Sky Deutschland mit einem Plus von fünf Prozent auf 3,53 Euro heraus. "Sie scheinen ein Mittel gefunden zu haben, ihr Geschäft profitabel zu gestalten", kommentierte ein Börsianer den erneuten operativen Quartalsgewinn.

Deutsche Euroshop rutschten dagegen wegen der Ausgabe einer Wandelanleihe und einer Kapitalerhöhung um 2,4 Prozent auf 29,75 Euro ab. Mit den eingenommenen knapp 170 Millionen Euro will das Unternehmen ein weiteres Einkaufszentrum kaufen. Die Aktie werde sich aber sicher bald erholen, sagte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. Euroshop habe in der Vergangenheit bei Zukäufen ein glückliches Händchen bewiesen.