Geplante Neuwahlen in Japan machen Yen zu schaffen

Mittwoch, 14. November 2012, 16:14 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Aussicht auf Neuwahlen in Japan hat den Yen am Mittwoch unter Druck gesetzt.

Japans Ministerpräsident Yoshihiko Noda will das Parlament am Freitag auflösen, um den Urnengang im Dezember zu ermöglichen. Anleger rechnen damit, dass die oppositionellen Liberaldemokraten als Sieger aus den Wahlen hervorgehen und damit auch die lockere Geldpolitik in Japan nochmals ausgeweitet werden dürfte. "Die Finanzmärkte preisen nun ein, dass der Druck auf die japanische Notenbank zunimmt", sagte Derek Halpenny von der Bank of Tokyo Mitsubishi.

Der Dollar legte in der Spitze auf 80,16 Yen zu nach 79,37 Yen im Vortagesgeschäft. Der Euro kletterte um mehr als ein Prozent auf 101,93 Yen.

Ministerpräsident Noda von der Demokratischen Partei steht bei der Opposition im Wort, nachdem er im Sommer "baldige" Neuwahlen versprochen hatte. Er tat dies, um die Liberaldemokraten, die im Oberhaus die Mehrheit hat, für eine Anhebung der Mehrwertsteuer zu gewinnen. Die Legislaturperiode des Unterhauses endet eigentlich erst im August 2013.

Japan leidet derzeit unter der Schuldenkrise in Europa und dem starken Yen, der Waren "Made in Japan" im Ausland verteuert. Im Kampf gegen eine drohenden Rezession hatte die Notenbank ihr Programm zum Ankauf von Anleihen und zur Vergabe von Krediten noch einmal ausgeweitet.

Oppositionsführer Shinzo Abe hatte sich in der vergangenen Woche dafür ausgesprochen, dass die Währungshüter ihre lockere Geldpolitik fortsetzen bis ein Inflationsziel von drei Prozent erreicht ist. Die Notenbank hatte im Februar ein Prozent Inflation als Zielmarke ausgegeben.

EURO LEGT VOR FED-PROTOKOLL ZU

Euro-Anleger wendeten ihren Blick am Mittwoch in Richtung USA, wo die US-Notenbank Fed am Abend das Protokoll der Sitzung des Offenmarktausschusses im Oktober veröffentlicht. Analysten zufolge dürfte der Bericht zeigen, dass die Währungshüter zur Stützung der US-Wirtschaft vorerst bei ihrer lockeren Geldpolitik bleiben werden. Das derzeit laufende Programm (QE3) sieht Wertpapier-Aufkäufe in Höhe von 40 Milliarden Dollar im Monat vor. Der Euro legte im Vorfeld des Protokolls auf bis zu 1,2757 Dollar zu nach 1,2702 Dollar im Vortagesgeschäft.

Am Rentenmarkt verlief der Handel in ruhigen Bahnen. Die Renditen der zehnjährigen deutschen Bundesanleihen notierten nahezu unverändert bei 1,346 Prozent. Wie stark die Nachfrage nach Sicherheit aber blieb, zeigte die Auktion einer Null-Zins-Anleihe des Bundes. Die Auktion neuer Bundesschatzanweisungen mit zweijähriger Laufzeit spülte am Mittwoch mehr als 4,3 Milliarden Euro in die Staatskasse. Obwohl die Rendite mit 0,02 Prozent sogar negativ war, zog die Nachfrage nach den Wertpapieren an.