Schuldendramen und Bilanzen vergraulen Dax-Anleger

Mittwoch, 14. November 2012, 19:42 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Heftiger Haushaltsstreit in den USA, Hickhack um Griechenland und Massenproteste gegen die rigide Sparpolitik in Spanien und Portugal - und dann auch noch eine Eskalation der Krisen im Nahen Osten.

Bei solchen Schlagzeilen haben sich die Anleger an Europas Aktienmärkten am Mittwoch nach einigem Zögern doch für Gewinnmitnahmen entschieden. Der Dax fiel um 0,9 Prozent auf 7101 Punkte, der EuroStoxx verlor 0,7 Prozent. "Viele haben jetzt auch noch Angst, dass sich die regionalen Konflikte im Nahen Osten zu einem Flächenbrand ausweiten", sagte ein Händler. In Syrien schwelt der Bürgerkrieg weiter und bei einem Luftangriff der Israelis wurde am Mittwoch der Militärchef der radikal-islamischen Hamas getötet.

Beim Fiskalstreit in Washington rechnen Beobachter für die nächsten Wochen noch nicht einmal mit einer ernsthaften Debatte über die künftige Schuldenpolitik. Dabei dürfte die weltgrößte Volkswirtschaft in die Rezession stürzen, wenn zum Jahresende Steuererleichterungen auslaufen und gleichzeitig massive Ausgabenkürzungen in Kraft treten. An der Wall Street lagen die großen Indizes zum Handelsschluss in Europa ebenfalls im Minus.

Diesseits des Atlantiks ringen die Euro-Staaten und der IWF weiter um die finanzielle Rettung Griechenlands. Dabei streiten sie über eine langfristige Sanierung des Landes, das immer tiefer in die Misere rutscht. In Spanien und Portugal gingen am Mittwoch Millionen von Menschen auf die Straßen, um gegen die Sparpolitik und die hohe Arbeitslosigkeit zu protestieren. Generalstreiks legten den öffentlichen Verkehr lahm. Auch in Griechenland, Italien, Frankreich und Belgien protestierten die Menschen gegen die Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen.

E.ON UND K+S SETZEN TALFAHRT FORT

Einige Geschäftszahlen von Großkonzerne lockten aber doch Investoren an den Markt. So legten Infineon um knapp sechs Prozent auf 5,55 Euro zu. Den Anlegern gefiel das umfangreiches Sparprogramm des Chipherstellers, dessen Gewinn ansonsten schrumpft.

Mit Erleichterung reagierten die Investoren auf die etwas besser als erwartet ausgefallenen Geschäftszahlen von RWE. Nach einem zeitweiligen Plus von 3,5 Prozent schlossen RWE nahezu unverändert. Die ohnehin schon gebeutelten Aktien des Konkurrenten E.ON sackten dagegen um weitere 3,1 Prozent auf 14,18 Euro ab. Am Dienstag hatte Deutschlands größter Energiekonzern seine Geschäftsprognosen für die kommenden Jahre gekippt und damit einen Kurssturz von mehr als zehn Prozent ausgelöst.

Die Nachwehen des enttäuschenden Ausblicks vom Vortag machten auch dem Düngemittelhersteller K+S zu schaffen: Die Aktien fielen um weitere 2,5 Prozent. Am Vorabend hatten K+S schon 4,5 Prozent eingebüßt. Im späten Geschäft gerieten die Aktien der Commerzbank unter Druck und verloren knapp drei Prozent auf 1,31 Euro. Auch Deutsche Bank-Aktien fielen um 2,4 Prozent und damit etwas stärker als die meisten europäischen Bankenwerte.

SKY UND BILFINGER HUI - CELESIO UND SALZGITTER PFUI

Im Nebenwerte-Index MDax ragten nach der Vorlage eines erneuten operativen Quartalsgewinns Sky Deutschland mit einem Plus von neun Prozent auf 3,65 Euro heraus. Zudem bauten viele Anleger auf Bilfinger, nachdem der Baukonzern die Anleger mit einem weniger schwachen Ergebnis als erwartet positiv überrascht hatte. Die Aktien verteuerten sich um 4,2 Prozent. Weniger gnädig waren die Investoren bei Salzgitter, nachdem der Stahlkonzern einen unerwartet hohen Verlust ausgewiesen hatte. Salzgitter sackten um 3,6 Prozent ab. Im TecDax stürzten Solarworld um 10,6 Prozent auf 1,11 Euro ab. Der Bonner Konzern war im dritten Quartal tiefer als erwartet in die roten Zahlen gerutscht.

Bei den europäischen Aktien ragten in Paris Vivendi mit einem Plus von 4,7 Prozent hervor. Der Medien- und Telekomkonzern hatte florierende Geschäfte gemeldet. In Wien verhalfen überzeugende Quartalszahlen den Aktien der Telekom Austria zu einem Plus von acht Prozent.