Dax-Anleger bleiben auf der Hut

Donnerstag, 15. November 2012, 11:30 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Stimmung am deutschen Aktienmarkt ist am Donnerstag so trüb wie das Novemberwetter.

Konjunkturängste, Schuldenkrisen in den USA und Europa und seit Mittwoch auch noch eine Eskalation der Gewalt im Nahen Osten halten viele Anleger vom Aktienmarkt fern. Der Dax rutschte am Vormittag bei geringen Umsätzen um 0,5 Prozent auf 7068 Punkte ab. "Der Markt ist sehr schwierig zu greifen. Niemand will sich wirklich positionieren. Alle warten nur noch ab", fasste ein Börsianer zusammen. Am Mittwoch hatte Israel den Militärchef der im Gazastreifen regierenden Hamas gezielt getötet und angekündigt, die Angriffe auszuweiten.

Von der Konjunkturseite kamen am Donnerstag durchwachsene Signale. In Deutschland wuchs die Wirtschaft mit 0,2 Prozent im dritten Quartal so wie erwartet. Auch in Frankreich legte das BIP 0,2 Prozent zu, was aber positiv überraschte. In Italien schrumpfte die Wirtschaft um 0,2 Prozent - und damit weniger deutlich als befürchtet. "Damit könnte das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone in Richtung Stagnation laufen - immerhin gar nicht so schlecht", erklärte ein Börsianer.

Wenig positives gab es von der Schuldenfront: In Washington enttäuschte US-Präsident Barack Obama all diejenigen, die sich von seiner Pressekonferenz am Mittwochabend einen Hinweis auf eine rasche Lösung des Haushaltsstreits erhofft hatten. Sollten sich Demokraten und Republikaner nicht bis Jahresende auf Kompromisse einigen, laufen zum 1. Januar Steuererleichterungen aus und treten zugleich Ausgabenkürzungen in Kraft, deren Gesamtumfang so riesig ist, dass die weltgrößte Volkswirtschaft in eine Rezession abgleiten dürfte. In der US-Notenbank Fed wird zudem der Ruf nach einer Verstärkung der Anleihekäufe im kommenden Jahr laut, wie aus dem Protokoll der Fed-Sitzung von Mitte Oktober hervorgeht.

GEWINNMITNAHMEN BEI INFINEON UND BILFINGER

Im Dax standen die Merck-Aktien im Fokus. Der Pharma- und Chemiekonzern habe exzellente Zahlen vorgelegt, die über den Erwartungen lägen, erklärte DZ-Bank-Analyst Peter Spengler in einer Kurzstudie. Die Darmstädter hatten ihre Umsatzprognose für das Gesamtjahr angehoben. Merck profitiert von Sparerfolgen und der kräftigen Nachfrage nach Flüssigkristallen. Die Aktien verteuerten sich um 1,5 Prozent auf 99,45 Euro.

Gewinnmitnahmen drückten die Titel von Infineon um 2,4 Prozent ins Minus. Damit gaben die Papiere aber nur einen kleinen Teil ihres fast sechsprozentigen Vortagesplus ab. Anlegern hatte vor allem das Sparprogramm des Chipherstellers gefallen.

Im MDax machten sie bei Bilfinger nach den Kursgewinnen vom Vortag Kasse: Die Aktien rutschten 3,2 Prozent ab, nachdem die Papiere am Vortag 4,2 Prozent gewonnen hatten. Ebenfalls auf der Verliererseite standen mit einem Abschlag von 5,6 Prozent die Titel des Berliner Wohnungskonzerns GSW, der mit einer Wandelanleihe über 185 Millionen Euro die Kasse für weitere Zukäufe füllt.

Schlusslicht im MDax waren Fuchs Petrolub, die um 5,6 Prozent einbrachen. "Einige Anleger verabschieden sich aus dem Papier, nachdem Fuchs es nicht in den MSCI-Index geschafft hat", erklärte ein Händler.