Trübe Konjunktur hält Anleger von Europas Aktien fern

Donnerstag, 15. November 2012, 19:15 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Trübe Aussichten für die Weltkonjunktur haben einige Anleger am Donnerstag zum Rückzug aus den europäischen Aktienmärkten bewogen.

Der Dax verabschiedete sich bei dünnen Umsätzen mit einem Minus von 0,8 Prozent bei 7043,42 Punkten in den Feierabend. Der EuroStoxx50 verlor 0,4 Prozent auf 2461,86 Zähler. An der Wall Street gab der US-Standardwerteindex Dow Jones nach anfänglichen Gewinnen bis zum Börsenschluss in Deutschland 0,3 Prozent nach.

"Ich sehe für die kommenden Wochen keine guten Nachrichten und keine ermutigenden Anzeichen, die die Stimmung der Anleger aufhellen", sagte Johannes Reich, Chef-Anlage-Stratege des Bankhauses Metzler. Die lockere Geldpolitik der Notenbanken werde einen weiteren größeren Kursrückschlag aber verhindern.

Die Euro-Zone rutschte trotz eines leichten Wachstums ihrer beiden größten Volkswirtschaften Deutschland und Frankreich im dritten Quartal in die Rezession. Den USA droht ein ähnliches Schicksal, falls die Politik sich nicht auf einen neuen Haushalt einigen und damit die sogenannte "Fiskalklippe" umschiffen kann. Zum Jahresende laufen in den USA Steuererleichterungen aus, gleichzeitig drohen automatische Ausgabenkürzungen. US-Präsident Barack Obama enttäuschte auf seiner ersten Pressekonferenz nach der Wiederwahl am Mittwoch aber alle diejenigen, die auf Hinweise für eine mögliche Lösung des Schuldenstreits gehofft hatte.

Gleichzeitig stärkten enttäuschende Arbeitsmarkt-Daten die Position derjenigen US-Notenbanker, die laut dem Protokoll der Fed-Sitzung von Mitte Oktober für eine Ausweitung der Anleihekäufe plädiert hatten. In der vergangenen Woche beantragten statt der erwarteten 375.000 insgesamt 439.000 US-Amerikaner erstmals Arbeitslosenhilfe.

STARKE ZAHLEN HALTEN MERCK IM PLUS - UMSATZMINUS DRÜCKT H&M

Zu den wenigen Dax-Gewinnern zählte Merck. Der Pharma- und Spezialchemiekonzern legte nach Ansicht von DZ-Bank-Analyst Peter Spengler exzellente Zahlen vor, die über den Erwartungen lagen. Die Darmstädter hatten ihre Umsatzprognose für das Gesamtjahr angehoben. Merck profitiert von Sparerfolgen und der kräftigen Nachfrage nach Flüssigkristallen. Die Aktien verteuerten sich um 1,3 Prozent auf 99,30 Euro.

Schlusslicht der ersten deutschen Börsenliga waren Lufthansa mit einem Minus von 5,1 Prozent auf 11,90 Euro. Börsianer sprachen von Gewinnmitnahmen. Die Titel der Fluggesellschaft hatten in den vergangenen beiden Wochen unter anderem dank starker Geschäftszahlen und der Diskussion um einen engeren Zusammenschluss mit Turkish Airlines um gut 16 Prozent zugelegt - deutlich mehr als jeder andere Dax-Wert in diesem Zeitraum.

Im Nebenwerte-Index MDax stachen Fuchs Petrolub mit einem Kursminus von 5,5 Prozent heraus. "Einige Anleger verabschieden sich aus dem Papier, nachdem Fuchs es nicht in den MSCI-Index geschafft hat", erklärte ein Händler. Anleger hätten darauf gehofft, dass Fuchs in einen der MSCI Global Standard-Indizes aufsteigt.

Auf europäischer Ebene gehörten Hennes & Mauritz (H&M) zu den größten Verlierern. Die Papiere des schwedischen Bekleidungseinzelhändlers waren angesichts eines überraschenden Umsatzrückgangs mit 211 Kronen zeitweise so billig wie zuletzt Anfang Juni. Am Abend notierten sie drei Prozent schwächer bei 213,10 Kronen.

Unter Verkaufsdruck gerieten auch Zurich Financial. Wertberichtigungen und die Aufstockung der Schadenreserven in Deutschland verhagelten dem Schweizer Versicherer die Bilanz. Der Netto-Gewinn brach um fast zwei Drittel ein. Die Aktie fiel daraufhin auf ein Drei-Monats-Tief von 222,30 Franken und schloss 3,9 Prozent im Minus bei 223,10 Franken. Im Sog von Zurich gab der Index der europäischen Versicherungsbranche um 1,2 Prozent nach.