Hoffnung auf Politikwechsel treibt japanische Börse an

Freitag, 16. November 2012, 07:49 Uhr
 

Tokio (Reuters) - Die Hoffnung auf aggressive Konjunkturhilfen nach dem erwarteten Regierungswechsel hat dem japanischen Aktienmarkt auch am Freitag kräftig Auftrieb gegeben.

In den Hintergrund trat eine ganze Reihe von Belastungsfaktoren, die auf die Kurse an den anderen Börsen in Asien drückten. Sorgen bereitet den Anlegern insbesondere der Streit über den US-Haushalt, der wie ein Damoklesschwert über den Finanzmärkten hängt. Hinzu kommen die krisenbedingte Rezession in Europa und die Eskalation der Gewalt im Nahen Osten.

Im Tokioter Handel richtete sich das Augenmerk dagegen ganz auf die heimischen Neuwahlen im Dezember, von denen sich viele Investoren ein Ende des politischen Stillstands versprechen. Noch am Freitag sollte das Unterhaus des Parlaments aufgelöst werden. Als wahrscheinlicher Wahlsieger gilt Oppositionsführer Shinzo Abe, der bereits massive geldpolitische Lockerungen in Aussicht gestellt hat. "Erwartungen darüber, wie die neue Regierungspartei die Deflation in Angriff nimmt, machen derzeit die anhaltenden Sorgen wegen der US-Fiskalklippe wett", sagte Hiroichi Nishi von SMBC Nikko Securities.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss 2,2 Prozent höher auf 9024 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index gewann 1,9 Prozent auf 751 Zähler. Bereits am Donnerstag waren die beiden Börsenbarometer deutlich gestiegen. Erneut schossen die Aktien exportorientierter Unternehmen in die Höhe. Papiere von Canon, Nikon und Nissan legten zwischen fünf und sieben Prozent zu. Angetrieben wurden die Kurse vom jüngsten Kurseinbruch des Yen, der durch Abes Ankündigungen unter Druck geriet. Am Freitag notierte die japanische Währung zum Dollar allerdings wenig verändert mit 81,05 Yen. Der Euro tendierte etwas schwächer mit 1,2768 Dollar.

An anderen asiatischen Aktienmärkten ging es moderat bergab. Der MSCI-Index für Aktien aus dem Asien-Pazifik-Raum mit Ausnahme Japans gab 0,3 Prozent nach. Währungsstratege Sean Callow von der Bank Westpac in Sydney verwies darauf, dass in den USA Demokraten und Republikaner ihre Haushaltsverhandlungen von deutlich entfernten Standpunkten aus beginnen. "Wir bezweifeln, dass es eine Einigung vor Ende Dezember geben wird", konstatierte Callow. Noch am Freitag wollte sich US-Präsident Barack Obama mit den Vorsitzenden von Republikanern und Demokraten im Kongress treffen.