Anleger lassen Vorsicht walten - Dax unter 7000 Punkten

Freitag, 16. November 2012, 11:46 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Pessimisten unter den Anlegern haben am Freitag in Europa das Heft in der Hand behalten.

Der Dax notierte am späten Vormittag 0,8 Prozent niedriger bei 6987 Punkten. Der EuroStoxx50 lag 0,7 Prozent im Minus bei 2444 Punkten. "Die Lage ist unverändert schlecht: Wir haben einen Konflikt im Nahen Osten, dann die Haushaltsprobleme in den USA und die Euro-Schuldenkrise ist auch noch nicht beendet", sagte ein Händler. Ein anderer Börsianer wies darauf hin, dass durch den Fall des Dax unter die psychologisch wichtige Marke bei 7000 Punkten weitere Verkäufe ausgelöst worden seien. "Die Schleusentore sind geöffnet." Zuletzt hatte der Dax Anfang September auf diesem Niveau gelegen.

Angeführt wurde die Abwärtsbewegung europaweit durch Finanzwerte. Der Bankenindex verlor 1,1 Prozent. Commerzbank rutschten im Dax 3,6 Prozent ab, Deutsche Bank büßten zwei Prozent ein. In Paris fielen Credit Agricole um 1,3 Prozent, in der Schweiz gaben UBS um 1,2 Prozent nach.

Unterdessen gab es keine Entspannung der Lage im Nahen Osten. Trotz einer vorübergehend vereinbarten Waffenruhe hielt die Gewalt zwischen Israel und den Palästinensern an.

ANLEGER MACHEN WEITEN BOGEN UM HENKEL

Mit einem Minus von 4,7 Prozent führten die Papiere von Henkel die Verliererliste im Dax an. Der Konsumgüterkonzern hatte zwar mit seinen Quartalszahlen die Erwartungen der Analysten erfüllt, enttäuscht zeigten sie sich aber über die Ziele des Unternehmens. "Die mittelfristigen Ziele rechtfertigen nicht die derzeitige Bewertung", schrieb Nadeshda Demidova, Analystin bei Equinet, in einem Kommentar.

Zu den wenigen Gewinnern im Dax zählten Bayer - und das trotz eines drohenden Bieterstreits in den USA. Die Titel des Pharmakonzerns verteuerten sich um 0,3 Prozent. Der britische Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser will - ebenso wie Bayer - den Vitaminhersteller Schiff Nutrition übernehmen. Reckitt bietet 42 Dollar je Schiff-Aktie, Bayer hatte Ende Oktober 34 Dollar pro Anteilsschein geboten.

Einige Börsianer wie Analyst Peter Spengler von der DZ Bank warnten vor einem teueren Bieterwettstreit für Bayer. Ein Händler nannte aber eine andere Sichtweise als Grund für das Kursplus: "Selbst wenn Bayer nun mehr bieten würde, sähen das einige Anleger vielleicht immer noch nicht als zu hohen Preis an." Börsianer erklärten die Kursgewinne der Bayer-Aktien zudem mit einem positiven Analystenkommentar von JPMorgan.

Gegen den Abwärtstrend stemmten sich die Anteilsscheine von SAP. Sie kletterten um 1,1 Prozent. Händler verwiesen auf positive Aussagen des SAP-Co-Chefs Jim Hagemann Snabe. Dieser hatte auf einer Investorenkonferenz gesagt, der Softwarekonzern sei bei seinem Umsatzziel von mehr als 20 Milliarden Euro für 2015 dem Plan voraus.