Anleger bleiben in Habt-Acht-Stellung - Henkel enttäuscht

Freitag, 16. November 2012, 14:47 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Pessimisten unter den Anlegern haben am Freitag in Europa das Heft in der Hand behalten.

Der Dax büßte bis zum frühen Nachmittag 0,3 Prozent ein auf 7021 Punkte. Zeitweise fiel er sogar unter die psychologisch wichtige Marke von 7000 Zählern.

Der EuroStoxx50 lag 0,5 Prozent im Minus bei 2449 Punkten. "Die Lage ist unverändert schlecht: Wir haben einen Konflikt im Nahen Osten, dann die Haushaltsprobleme in den USA und die Euro-Schuldenkrise ist auch noch nicht beendet", sagte ein Händler. Die Lage im Nahen Osten hat sich im Lauf des Tages noch zugespitzt. Trotz einer vereinbarten Waffenruhe beschuldigten sich Israelis und Palästinenser gegenseitig neuer Angriffe.

Die Vorzeichen für den Start an der Wall Street drehten am Nachmittag ins Plus. Als Grund nannten Händler einen Bericht des "Wall Street Journal", wonach sich für die US-Haushaltsverhandlungen Fortschritte abzeichneten.

Für europäische Investoren blieb die brennendste Frage, wie der Schuldenberg Griechenlands dauerhaft abgebaut werden kann. Die europäischen Gläubiger sind bereit, dem Land mehr Zeit zu geben, das lehnt aber der Internationale Währungsfonds ab. Dessen Vorschlag eines teilweisen Schuldenschnitts stößt dagegen bei den Europäern auf Widerstand. Investoren stellten sich vorsorglich auf neue Belastungen ein und stießen vor allem Bankwerte ab. Der europäische Branchenindex gab um 1,2 Prozent nach und damit deutlich stärker als der breite Markt. Neben der Schuldenkrise schmälerten auch die schwachen Börsenumsätze und die strengeren Regulierungsvorschriften die Ertragsperspektiven der Banken, sagten Händler. Hierzulande rutschten Commerzbank um 4,1 Prozent und Deutsche Bank um 1,8 Prozent ab. Natixis gaben 3,7 Prozent nach, Lloyds 2,2 Prozent.

DROHENDER BIETERSTREIT UM US-FIRMA LÄSST BAYER-ANLEGER KALT

Größter Verlierer an der Frankfurter Börse waren Henkel mit einem Abschlag von mehr als fünf Prozent. Der Konsumgüterkonzern hat zwar mit seinen Quartalszahlen die Analystenerwartungen erfüllt, konnte mit seiner Prognose allerdings nicht überzeugen. "Die mittelfristigen Ziele rechtfertigen nicht die derzeitige Bewertung", kommentierte Equinet-Analystin Nadeshda Demidova.

Zu den wenigen Gewinnern im Dax zählten die Anteilsscheine von SAP, die um 1,4 Prozent kletterten. Händler verwiesen auf positive Aussagen von SAP-Co-Chef Jim Hagemann Snabe. Dieser hatte auf einer Investorenkonferenz gesagt, der Softwarekonzern sei bei seinem Umsatzziel von mehr als 20 Milliarden Euro für 2015 dem Plan voraus.

Trotz eines drohenden Bieterstreits in den USA verteuerten sich auch die Aktien von Bayer um knapp ein Prozent. Der britische Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser hat ein deutlich höheres Angebot für den Vitaminhersteller Schiff Nutrition vorgelegt als die Leverkusener. "Selbst wenn Bayer nun mehr bieten würde, sähen das einige Anleger vielleicht immer noch nicht als zu hohen Preis an", erklärte ein Händler das Kursplus. Anderen Börsianern zufolge half auch ein positiver Analystenkommentar von JPMorgan den Bayer-Aktien. Reckitt Benckiser gaben an der Londoner Börse rund ein Prozent nach. Schiff waren in den USA in Reaktion auf das neue Angebot um fast 30 Prozent nach oben geschnellt.   Fortsetzung...