US-Haushaltsstreit lähmt Wall Street

Freitag, 16. November 2012, 15:58 Uhr
 

New York (Reuters) - Der ungewisse Ausgang des Haushaltsstreits in den USA hat die Wall Street am Freitag gelähmt.

Unter dem Eindruck schwacher Wirtschaftsdaten gingen die Börsenbarometer zum Auftakt nach unten, obwohl ein Bericht des "Wall Street Journal" die Stimmung zumindest etwas aufhellte. Demnach schnürte die Regierungsmannschaft von Präsident Barack Obama ein neues Paket aus Sparplänen und Steuererhöhungen, was die Anleger als eine größere Flexibilität Obamas bei den Verhandlungen mit den Republikanern interpretierten. Sollten diese aber scheitern, werden im Januar automatisch Ausgaben gekürzt und Steuern angehoben - das nicht zuletzt an den Börsen gefürchtete Szenario der sogenannten "Fiskalklippe".

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verlor in den ersten Handelsminuten 0,1 Prozent auf 12.530 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 büßte 0,2 Prozent auf 1350 Zähler ein. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gab 0,3 Prozent auf 2827 Punkte nach.

Der Wirbelsturm "Sandy" hat die Produktion der US-Unternehmen im Oktober deutlich gebremst, was die Börsianer als Rückschlag für die Erholung der US-Wirtschaft werteten. Neu zur Unsicherheit am Aktienmarkt trug auch die jüngste Eskalation des Nahostkonflikts bei. Die Furcht vor der "Fiskalklippe" hat die US-Börsen dagegen schon seit Obamas Wiederwahl am 6. November belastet.

"Ich gehe mal davon aus, dass die Regierung in irgendeiner Form zu einer Lösung gelangt", sagte Robert Pavlik von Banyan Partners. Aber mit jedem Tag ohne konkrete Fortschritte gehe der Börsentrend automatisch nach unten. Am Freitag setzten optimistische Anleger ihre Hoffnung auf ein Treffen des Präsidenten mit führenden Kongressabgeordneten, in dessen Vorfeld aber sowohl Obamas Demokraten als auch die Republikaner ihre Positionen vehement verteidigten: Obama will Abgaben für besonders wohlhabende Amerikaner anheben, die Republikaner lehnen jegliche Form der Steuererhöhung kategorisch ab.

Bei den Einzelwerten bekam vor allem der Computer-Hersteller Dell die Enttäuschung der Anleger zu spüren. Das Unternehmen hatte am Vortag einen deutlichen Rückgang des Quartalsgewinns einräumen müssen und büßte am Freitag fast fünf Prozent an Börsenwert ein.

Noch steiler nach unten zeigte die Kurve des Sears-Aktienkurses. Satte elf Prozent verlor das Papier des US-Einzelhändlers, dessen Umsatz in bestehenden Geschäften im Berichtsquartal nachgab. Grund sei eine geringe Nachfrage nach Elektroartikeln. Der Verlust fiel geringer aus als befürchtet, doch dies tröstete die Anleger wenig.

Einen Abschlag von 1,5 Prozent musste der Chip-Ausrüster Applied Materials hinnehmen. Er wurde auf dem Parkett für seine Umsatzprognose abgestraft, die hinter den Markterwartungen zurückblieb.