Dax fällt unter 7000 Punkte - Schulden bleiben Top-Thema

Samstag, 17. November 2012, 15:43 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Pessimisten unter den Dax-Anlegern haben die zweite Woche in Folge die Richtung an der Börse bestimmt.

Ihre wichtigsten Argumente blieben die europäische Schuldenkrise und die Haushaltsprobleme der USA. Die wieder aufkeimende Gewalt im Nahen Osten drückte zusätzlich die Stimmung. Der Dax ging 1,3 Prozent niedriger bei 6950,53 Punkten aus dem Handel und hat damit im Wochenverlauf drei Prozent verloren. Der EuroStoxx50 verabschiedete sich mit einem Minus von 1,4 Prozent bei 2427,32 Punkten. Das Wochenminus summierte sich auf zwei Prozent.

Die Kurse an der Wall Street bröckelten nach frühen Gewinnen ab. Zum europäischen Handelsschluss notierte der Dow-Jones-Index der Standardwerte 0,4 Prozent niedriger, die Technologiebörse Nasdaq gab 0,6 Prozent nach. Kurzzeitig hatte die Hoffnung auf eine Beilegung des US-Haushaltsstreits den Kursen nach oben geholfen: Dem "Wall Street Journal" zufolge werden im Weißen Haus Maßnahmen diskutiert, wie die Verhandlungen um den neuen Haushalt flexibler gestaltet werden können. "Das ist das erste Mal, dass etwas einigermaßen Konstruktives passiert", sagte Vorstand Todd Schoenberger von der BlackBay Group in New York. "Das ist sehr gut, aber man kann auch flexibel sein und trotzdem von der Klippe stürzen." Bevor nicht wirklich etwas passiere, bleibe die Nervosität sehr hoch. In den USA müssen sich Demokraten und Republikaner auf einen neuen Haushalt einigen. Sollten sie das nicht schaffen, drohen Ausgabenkürzungen, die die Wirtschaft zurück in die Rezession schicken können.

FURCHT VOR NEUEM SCHULDENSCHNITT FÜR ATHEN DRÜCKT BANKWERTE

Für europäische Investoren blieb die brennendste Frage, wie der Schuldenberg Griechenlands dauerhaft abgebaut werden kann. Die europäischen Gläubiger sind bereit, dem Land mehr Zeit zu geben, das lehnt aber der Internationale Währungsfonds ab. Dessen Vorschlag eines teilweisen Schuldenschnitts stößt dagegen bei den Europäern auf Widerstand. Investoren stellten sich vorsorglich auf neue Belastungen ein und stießen vor allem Bankwerte ab. Der europäische Branchenindex gab um 1,8 Prozent nach und damit stärker als der breite Markt. Neben der Schuldenkrise schmälerten auch die schwachen Börsenumsätze und die strengeren Regulierungsvorschriften die Ertragsperspektiven der Banken, sagten Händler. Hierzulande rutschten Commerzbank um knapp fünf Prozent und Deutsche Bank um 3,8 Prozent ab. Natixis gaben um 4,7 Prozent nach, Lloyds schlossen 3,8 Prozent im Minus.

DROHENDER BIETERSTREIT UM US-FIRMA LÄSST BAYER-ANLEGER KALT

Zu den größten Verlierern an der Frankfurter Börse zählten Henkel mit einem Abschlag von 4,7 Prozent. Der Konsumgüterkonzern hat zwar mit seinen Quartalszahlen die Analystenerwartungen erfüllt, konnte mit seiner Prognose allerdings nicht überzeugen. "Die mittelfristigen Ziele rechtfertigen nicht die derzeitige Bewertung", kommentierte Equinet-Analystin Nadeshda Demidova.

Zu den wenigen Gewinnern im Dax zählten die Anteilsscheine von SAP, die um 0,3 Prozent zulegten. Händler verwiesen auf positive Aussagen von SAP-Co-Chef Jim Hagemann Snabe, wonach der Softwarekonzern bei seinem Umsatzziel von mehr als 20 Milliarden Euro für 2015 dem Plan voraus sei.

Trotz eines drohenden Bieterstreits in den USA beendeten auch die Aktien von Bayer den Handelstag nahezu unverändert. Der britische Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser hat ein deutlich höheres Angebot für den Vitaminhersteller Schiff Nutrition vorgelegt als die Leverkusener. "Selbst wenn Bayer nun mehr bieten würde, sähen das einige Anleger vielleicht immer noch nicht als zu hohen Preis an", erklärte ein Händler. Anderen Börsianern zufolge half auch ein positiver Analystenkommentar von JPMorgan den Bayer-Aktien. Reckitt Benckiser gaben an der Londoner Börse rund ein Prozent nach. Schiff schnellten in den USA um fast 30 Prozent nach oben.

An der Mailänder Börse fielen die Titel der Telecom Italia um 4,7 Prozent. Händler verwiesen auf einen Bericht der italienischen Zeitung "Il Sole 24 Ore", wonach Verhandlungen über die Abspaltung der Festnetz-Sparte des Konzerns gestoppt seien.