Annäherung im US-Haushaltsstreit gibt Dax Auftrieb

Montag, 19. November 2012, 11:30 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Annäherung von Republikanern und Demokraten im US-Haushaltsstreit hat Dax-Anlegern am Montag Mut gemacht.

Der deutsche Leitindex rückte um 1,3 Prozent auf 7041 Zähler vor, nachdem er in der vergangenen Woche drei Prozent verloren hat. "Die Verhandlungen in den USA dürften bis zum Schluss spannend bleiben, aber am Ende sollte uns eine Lösung präsentiert werden," sagte ein Händler. "Alles andere wäre für die Parteien politischer Selbstmord."

Am Freitag hatten die Republikaner nach einem Treffen mit US-Präsident Barack Obama und dessen Demokraten ihre Bereitschaft zu Gesprächen über höhere Steuern signalisiert. Ohne Konsens im Haushaltsstreit drohen zum Jahreswechsel automatisch Ausgabensenkungen und Steuererhöhungen, die die weltgrößte Volkswirtschaft in die Rezession stürzen könnten.

ANLEGER HOFFEN AUF GRIECHENLAND-HILFEN

Gespannt blickten die Anleger aber nicht nur auf die USA, sondern auch auf Athen. Am Dienstag treffen sich die Euro-Finanzminister zu einer Sondersitzung, um erneut über die Finanzierung der weiteren Griechenlandhilfen zu beraten. Nach den Worten von Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker sind der IWF und die Währungsgemeinschaft dabei, ihren Konflikt über den Schuldenabbau Griechenlands zu lösen. Der IWF pocht auf einen Abbau des griechischen Schuldenbergs auf 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2020, die Euro-Gruppe will dem Land bis 2022 Zeit geben, ist sich aber uneins, wie die Mehrkosten finanziert werden sollen. IWF-Experten glauben, dass der Abbau kaum ohne einen Nachlass der öffentlichen Gläubiger zu erreichen ist. Geldgeber wie Deutschland und die Niederlande schließen das aber schon allein aus rechtlichen Gründen aus.

Zu den größten Gewinnern im Dax zählten die Verlierer der vergangenen Woche. Commerzbank und Deutsche Bank machten einen Teil ihrer Freitagsverluste wett und notierten 4,3 beziehungsweise 2,9 Prozent fester.

Im MDax schossen Hochtief um bis zu 5,8 Prozent auf 38,09 Euro in die Höhe. Der spanische Großaktionär ACS will bei Deutschlands größtem Baukonzern einen Führungswechsel durchsetzen. Hochtief-Chef Frank Stieler soll den Vorstand verlassen, falls der Aufsichtsrat zustimmt. Auf Stielers Posten soll der von ACS entsandte Manager Marcelino Fernandez Verdes rücken.

Aufgrund der angespannten Finanzsituation des Großaktionärs wachse die Wahrscheinlichkeit von Verkäufen von Vermögensteilen bei Hochtief mit möglicherweise nachfolgenden Sonderausschüttungen, schrieb LBBW-Analyst Hans-Peter Kuhlmann in einem Kommentar. "Dies muss nicht negativ für die freien Aktionäre sein, solange auf einen fairen Verkaufspreis geachtet beziehungsweise die langfristige Ertragskraft nicht belastet wird." ACS notierten im Madrider Leitindex 0,9 Prozent höher.

HOCHSTUFUNG HILFT SMA SOLAR

Im TecDax machten SMA Solar nach einer Hochstufung Boden gut. Die Aktien des Wechselrichterproduzenten legten um 3,6 Prozent auf 16,17 Euro zu. Die Experten der Deutschen Bank setzten die Papiere hoch auf "Hold" von "Sell", senkten das Kursziel allerdings auf 16 von 18 Euro. Seit Mitte Oktober, als SMA für das kommende Jahr vor sinkenden Umsätzen gewarnt hatte, sind die Aktien um knapp 40 Prozent eingebrochen. Die Experten der Deutschen Bank gehen davon aus, dass Innovationsmaßnahmen und die angekündigten Kosteneinsparungen die Geschäfte von SMA 2014 wieder anziehen lassen sollten.