Euro profitiert von Lust auf Risiko

Montag, 19. November 2012, 13:55 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Am Devisenmarkt haben die Anleger am Montag wieder etwas Lust auf Risiko verspürt und den als sicheren Hafen geltenden US-Dollar meist verschmäht.

Davon profitierte vor allem der Euro, der um etwa einen viertel US-Cent auf 1,2767 Dollar kletterte. Aber auch der Yen holte anfängliche Verluste wieder auf. "Die Aktienkurse ziehen europaweit an, das macht einigen Anlegern Mut", erklärte ein Händler. "Aber man sollte den Kursanstieg nicht überbewerten. Das geht ohne viel Umsatz und erst recht ohne Überzeugung." Auslöser für die Käufe an den Aktienmärkten waren Spekulationen, dass im US-Haushaltsstreit die Fronten etwas bröckeln.

Nach einem Treffen mit Präsident Barack Obama am Freitag deuteten die republikanische Spitzenpolitiker in der Steuerfrage unter bestimmten Bedingungen Entgegenkommen an. Republikaner sind bisher strikt gegen Steuererhöhungen, während Obamas Demokraten, denen vor allem Ausgabekürzungen ein Dorn im Auge sind, dafür sind. Am 1. Januar treten in den USA gleichzeitig automatische Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen im Volumen von etwa 660 Milliarden Dollar in Kraft, die zwar die Schuldenlage verbessern, aber die weltgrößte Volkswirtschaft vermutlich in eine Rezession stürzen werden. Dies könnten nur Kompromisse von Kongress und Regierung verhindern, die die geplanten Maßnahmen abmildern würden.

Händler beklagten zudem die geringen Umsätze am Devisenmarkt. "Der Truthahn wirft seine Schatten voraus", erklärten die Analysten der Commerzbank in Anspielung auf das Festtagsmahl der Amerikaner zum Erntedankfest am Donnerstag, an dem die Märkte geschlossen sind.

Neben dem US-Haushaltsstreit steht das Hickhack um Griechenland weiter im Fokus. Viele Börsianer erhofften sich von den Beratungen der Euro-Finanzminister und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) am Dienstag in Brüssel langfristigere Lösungsansätze. Bislang streiten sich die Helfer aber noch über den besten Weg für Griechenland. Erst wenn sie sich einig sind, kann die Troika aus EU, IWF und EZB grünes Licht für die Auszahlung weiterer Gelder geben. Die Analysten der Bayern LB rechnen mit einer Einigung. Dies und die Aufstockung der zehnjährigen Bundesanleihe am Mittwoch dürften Bundesanleihen in den nächsten Tagen belasten, vermuten die Experten. Am Montag rutschte der Bund-Future denn auch um 21 Ticks auf 143,10 Punkte ins Minus. Italienische und Spanische Staatsanleihen notierten kaum verändert.

Spekulationen auf eine weitere Lockerung der japanischen Geldpolitik drückten den Yen am Montag nur kurz. Nachdem der Dollar im asiatischen Handel mit 81,56 Yen noch so hoch wie zuletzt am 25. April notiert hatte, gab er im europäischen Geschäft auf 81,15 Yen nach und lag damit niedriger als am Freitag. Börsianer erwarten, dass die Bank of Japan (BoJ) im nächsten Jahr die Zinsen weiter senken, aber bei ihrer Sitzung am Montag und Dienstag die Füße stillhalten wird. Die oppositionellen Liberal-Demokraten (LDP), die laut Umfragen die Wahlen im Dezember gewinnen dürften, sind für Zinssenkungen auf null Prozent oder sogar darunter und dürften den Druck auf die BoJ erhöhen.