Börsen schwenken nach wochenlanger Talfahrt um

Montag, 19. November 2012, 18:13 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Aktienanleger sind frohen Mutes in die Woche gestartet: Fortschritte bei den US-Haushaltsverhandlungen, die Hoffnung auf einen nachhaltigen griechischen Schuldenabbau und ein als attraktiv empfundenes Kursniveau machten Investoren risikofreudiger.

Der Dax zog um 2,5 Prozent an auf 7124 Zähler. Ende vergangener Woche war der Leitindex unter die psychologisch wichtige Marke von 7000 Punkten gefallen und war damit binnen zehn Tagen um rund 500 Zähler abgerutscht. "Wenn sich der Dax in den nächsten zwei Tagen über der Marke von 7000 Punkten hält, dann ist das ein gutes Zeichen für eine Jahresendrally", sagte ein Händler.

Der EuroStoxx50 gewann 2,8 Prozent auf 2496 Punkte. Besonders stark fiel europaweit die Erholung bei den Bank-, Bau- und Technologiewerten aus; jenen Branchen, die zuletzt stärker als andere unter Druck geraten waren. Die Wall Street notierte zu Handelsschluss in Europa ebenfalls komfortabel im Plus, der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte 1,3 Prozent höher, die Nasdaq 1,6 Prozent.

Anleger honorierten, dass sich die im US-Haushaltsstreit konkurrierenden Parteien zuletzt etwas angenähert haben. Die Republikaner hatten nach einem Treffen mit US-Präsident Barack Obama und dessen Demokraten ihre Gesprächsbereitschaft über höhere Steuern signalisiert. Ohne Konsens drohen zum Jahreswechsel automatische Ausgabensenkungen und Steuererhöhungen, die die weltgrößte Volkswirtschaft in die Rezession stürzen könnten. "Sollten die Politiker einen Kompromiss aushandeln, der sowohl langfristige Steuern als auch Reformen der Ausgaben und der Sozialleistungen glaubhaft adressiert, erwarten wir einen spürbaren Anstieg an den Aktienmärkten", sagte Marktstratege Jonathan Golub von der UBS.

Neben den USA blieben auch die Verhandlungen rund um Griechenland im Blick der Investoren. Am Dienstag treffen sich die Euro-Finanzminister zu einer Sondersitzung, um erneut über Wege aus dem Schuldendesaster zu beraten. Bislang liegen die Lösungsansätze der europäischen Gläubiger und des IWF allerdings weit auseinander. "Der politische Vorsatz, Griechenland 'komme was da wolle' im Boot zu halten, ist offensichtlich", sagte Aktienstratege Carsten Klude von MM Warburg. Investoren gingen davon aus, dass Athen bald die nächste Auszahlungssumme aus dem zweiten Hilfspaket zugesprochen wird und dass auch die Unstimmigkeiten zwischen den Gläubigern beigelegt werden. Diese Erwartungshaltung trieb auch den Euro; der auf ein Zwei-Wochen-Hoch von 1,2819 Dollar kletterte.

REGULIERUNGSDISKUSSION RÜCKT BANKWERTE IN DEN FOKUS

Zu den größten Gewinnern im Dax zählten die Verlierer der vergangenen Woche. Commerzbank und Deutsche Bank konnten ihre Freitagsverluste wettmachen und notierten 5,3 und 4,7 Prozent fester. Finanzwerte stehen derzeit auch deshalb besonders im Fokus der Investoren, weil die Regulierung der Institute wieder heftig diskutiert wird. Während der Zeitplan für die Einführung der strengeren Eigenkapitalanforderungen nach Basel III in Europa noch wackelt, haben die USA das Vorhaben erst einmal verschoben.

Größter Dax-Gewinner waren Infineon mit einem Plus von 6,2 Prozent.

Im MDax schossen Hochtief um bis zu 5,8 Prozent in die Höhe. Der spanische Großaktionär ACS will bei Deutschlands größtem Baukonzern einen Führungswechsel durchsetzen. Auf den Posten von CEO Frank Stieler soll ein aus Spanien entsandter Manager rücken. "An der Börse wird jetzt darauf spekuliert, dass der Konzern zerschlagen wird", sagte ein Händler. "Dann könnte man darauf setzen, dass die einzelnen Teile mehr bringen als der Konzern gesamt und dass Aktionäre auf Sonderzahlungen hoffen können." ACS beendeten den Madrider Handel knapp ein Prozent höher.

Einsam auf der Verliererseite des Nebenwerteindex hielten sich TAG Immobilien mit einem Minus von 0,5 Prozent. Die Gesellschaft hat vom Bund für 471 Millionen Euro den Zuschlag für ein Wohnungspaket erhalten. Um die Transaktion zu stemmen, pumpt der Konzern über eine Kapitalerhöhung seine Aktionäre an. Diese haben bereits mehrere Kapitalerhöhungen hinter sich. Die steigende Anzahl ausgegebener Aktien verwässert die bisherigen Anteile.

Im SDax schafften die Anteilsscheine von Praktiker ein Plus von 8,6 Prozent, nachdem klar war, dass der umstrittene Finanzinvestor Clemens Vedder bei der Sanierung der Baumarktkette nicht mehr mit von der Partie ist.