Moody's Frankreich-Schelte macht Dax-Anleger vorsichtig

Dienstag, 20. November 2012, 11:23 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Unter Dax-Anlegern war am Dienstag Zurückhaltung angesagt. "Die Nachrichtenlage bietet heute kaum Grund zur Freude", sagte ein Börsianer.

Die Ratingagentur Moody's hat Frankreich die Bestnote entzogen und stuft die Bonität des wirtschaftlich zweitstärksten Landes der Euro-Zone nur noch mit "Aa1" ein. Der Leitindex verlor 0,2 Prozent auf 7111 Zähler - zum Wochenauftakt hatte er noch 2,5 Prozent zugelegt.

Für viele Marktexperten kam der Schritt von Moody's allerdings nicht überraschend. Standard & Poor's hatte die Bonität Frankreichs bereits im Januar von "AAA" auf "AA+" gesenkt. Die Ratingagentur war zu der Schlussfolgerung gelangt, dass Frankreich langfristig mit strukturellen Wachstumshindernissen zu kämpfen hat. "Die Grundlage für Moody's Entscheidung enthält keine zusätzlichen oder neuen Erkenntnisse, sondern lang Bekanntes", schrieb Tristan Cooper, Analyst für Staatsanleihen bei Fidelity Worldwide Investment.

ANLEGER HOFFEN AUF ENTSCHEIDUNG ÜBER GRIECHEN-HILFEN

Der Pariser Leitindex notierte 0,5 Prozent schwächer. Die Renditen französischer Staatsanleihen trieb der Entzug der Bestnote nur leicht in die Höhe. Die Zinsen für die zehnjährigen Papiere kletterten auf 2,103 Prozent von 2,076 Prozent am Vorabend. In der Euro-Zone spielten Ratings nur noch eine begrenzte Rolle, schrieb Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz. "Der Rettungsschirm ESM ist ja gerade so konstruiert worden, dass durch eine Herabstufung eines AAA-Landes das mögliche Kreditvolumen nicht mehr tangiert wird (wie es beim EFSF der Fall gewesen wäre)", führte der Experten weiter aus.

Im Rampenlicht stand neben Paris jedoch auch Griechenland: Die Euro-Finanzminister in Brüssel sollen am Abend klären, wie die Finanzlücken des hoch verschuldeten Landes bis 2014 geschlossen werden können. Ob es wirklich Entscheidungen gibt, ist nach Angaben des Bundesfinanzministeriums allerdings noch unklar. Laut Helaba-Analyst Ulrich Wortberg bleibt nur zu hoffen, dass es zu einer einvernehmlichen Lösung kommt, "um die Nervosität an den Märkten nicht unnötig zu erhöhen".

BANKWERTE EUROPAWEIT SCHWÄCHER

Zu spüren war die Verunsicherung der Anleger vor allem an den Finanzwerten, die immer sehr sensibel auf Nachrichten rund um die Euro-Schuldenkrise reagieren. Im Dax verloren Deutsche Bank und Commerzbank 1,6 beziehungsweise 0,7 Prozent. Der europäische Bankenindex gehörte mit einem Abschlag von 0,9 Prozent zu den schwächsten Indizes in Europa.

Im MDax legten Metro zeitweise um drei Prozent zu, weil Anleger im nächsten Jahr auf eine üppige Dividende hoffen. Metro-Chef Olaf Koch rechnet damit, den Cash-Flow in diesem Jahr deutlich zu verbessern. Dies sei ein wichtiger Entscheidungsfaktor für eine Ausschüttung, sagte er dem "Handelsblatt". Zuletzt hatte Metro eine Dividende von 1,35 Euro pro Aktie ausgezahlt.