Moody's Ohrfeige für Frankreich lässt Euro-Anleger kalt

Dienstag, 20. November 2012, 15:57 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die US-Ratingagentur Moody's hat mit ihrem Entzug der Bestnote für die Kreditwürdigkeit Frankreichs die europäischen Devisen- und Rentenanleger kaum überrascht.

Zwar gaben der Euro und die Kurse der französischen Anleihen leicht nach. Doch fiel die Reaktion moderat aus. Bis zum frühen Nachmittag hatte sich der Euro schon wieder auf dem Vortagesschluss von 1,2815 Dollar stabilisiert und die Verluste bei den französischen Anleihen lagen nur wenig höher als bei ihren deutschen Pendants. Dafür notierten die Kurse der spanischen und italienischen Staatsanleihen leicht im Plus.

"Die Herabstufung Frankreichs ist eine Enttäuschung und ein Zeichen dafür, dass auch der Kern Europas etwas leidet. Aber die Märkte haben schon seit einiger Zeit über einen solchen Schritt spekuliert", erklärte Graham Bishop, Stratege bei Exane BNP Pairbas. Schließlich hatte Standard & Poor's schon im Januar die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone heruntergestuft. Moody's stuft die Kreditwürdigkeit Frankreich nun nur noch mit "Aa1" ein und versah die neue Note auch gleich noch mit einem negativen Ausblick.

In der Euro-Zone spielten Ratings nur noch eine begrenzte Rolle, merkte Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz an. "Der Rettungsschirm ESM ist ja gerade so konstruiert worden, dass durch eine Herabstufung eines AAA-Landes das mögliche Kreditvolumen nicht mehr tangiert wird (wie es beim EFSF der Fall gewesen wäre)", sagte er. Die Refinanzierung Frankreichs werde sich durch das Urteil kaum verteuern, vermuten auch die Analysten der Essener National-Bank. Allerdings stünden die Rettungsfonds EFSF und ESM, bei denen die Bonität Frankreichs eine entscheidende Stütze ist, nun ebenfalls auf dem Prüfstand der Ratingagenturen.

Die Zinsen für die zehnjährigen französischen Staatsanleihenkletterten zwar um vier Basispunkte auf 2,12 Prozent. Doch zogen auch die Renditen der entsprechenden deutschen Bundesanleihen um drei Basispunkte an. Entsprechend gaben der französische Anleihe-Future und auch der Bund-Future 50 beziehungsweise 34 Ticks nach. Das italienische Pendant notierte fast unverändert.

ANLEGER WÜRDEN THEMA GRIECHENLAND GERNE AD ACTA LEGEN

Dass die Verluste beim Bund-Future nicht stärker ausfielen, führten Händler auf Hoffnungen zurück, dass es bei den Verhandlungen über eine dauerhafte Lösung für Griechenland zu einem Durchbruch kommt. In Brüssel wollten am späteren Nachmittag die Euro-Finanzminister und der IWF über die Lage beraten. Die Politiker sollen klären, wie die Finanzlücken in Griechenland bis 2014 geschlossen werden können. "Auch wenn wir wissen, dass Griechenlands Probleme heute nicht gelöst werden, würden viele Leute das Thema gerne ad acta legen - wenigstens mal für ein paar Monate", erklärte ein Händler. "Die Minister sollten also wenigstens einer Lösung näher kommen."

Gut wurden zwei Auktionen spanischer Anleihen mit Laufzeiten von zwölf und 18 Monaten über insgesamt 4,9 Milliarden Euro aufgenommen. Für die am Donnerstag anstehende Auktion länger laufender Anleihen sei das ein ermutigendes Signal, erklärte RBS-Analyst Simon Peck. Die Renditen der spanischen zehnjährigen Anleihen notierten kaum verändert bei 5,90 Prozent.

Leicht unter Druck kam am Dienstag der Yen. So kletterte der Dollar auf 81,58 Yen von 81,40 Yen am Vorabend und der Euro auf 104,50 von 104,20 Yen. Die Bank of Japan hatte am Morgen wie erwartet keine zinspolitischen Änderungen vorgenommen. An den Märkten wird mit einer größeren Lockerung der Geldpolitik erst nach einem für Dezember erwarteten Regierungswechsel in Tokio gerechnet.