Enthusiasmus der Börsianer verpufft nach Moody's-Schelte

Dienstag, 20. November 2012, 15:57 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der Enthusiasmus der Aktienanleger ist nach einem Tag schon wieder verpufft.

Der Dax pendelte am Dienstag um seinen Vortagesschluss von 7124 Punkten, nachdem er zu Wochenbeginn noch um 2,5 Prozent nach oben geschnellt war. Themen am Markt waren die gesenkte Kreditwürdigkeit Frankreichs durch die Ratingagentur Moody's, die Beratungen der Euro-Finanzminister und des IWF über Hilfen für Griechenland sowie die US-Haushaltsverhandlungen.

Der EuroStoxx50 notierte 0,1 Prozent niedriger bei 2492 Zählern. Auch für die Wall Street zeichneten sich leicht negative Kurse ab. "Die Stimmung ist etwas gedämpft nach dem starken Anstieg gestern", sagte ein Händler.

GESENKTE BONITÄT BELASTET AUF HEIMATMARKT FOKUSSIERTE FIRMEN

Der Blick auf die Schuldenkrise, der sich in den vergangenen Wochen weitestgehend auf Griechenland verengt hatte, richtete sich durch Moody's wieder auf Frankreich. Nach Standard & Poor's haben auch deren Experten die Top-Bonitätsnote für das wirtschaftlich zweitstärkste Land der Euro-Zone kassiert und stufen es nur noch mit "Aa1" ein. Investoren ließen sich allerdings kaum aus der Ruhe bringen. Der französische Leitindex CAC40 gab um 0,2 Prozent nach und entwickelte sich damit nur marginal schlechter als der EuroStoxx und deutlich besser als die Indizes in Mailand und Madrid. Analysten sagten, der Schritt sei lange erwartet worden und solle nicht überbewertet werden. "Frankreich hat eine solide Industriestruktur, aber ein politisches Problem", sagte Andreas Utermann, der die Anlagestrategie für Allianz Global Investors verantwortet. Das Steuer- und Sozialsystem sei zu komplex, es müsse dringend modernisiert werden, um das Vertrauen der Märkte wiederherzustellen.

Unter besonderen Abgabedruck gerieten an der Pariser Börse vor allem auf den Heimatmarkt fokussierte Versorger- sowie Bau- und Telekomwerte. So gaben EDF um 1,3 Prozent nach, Bouygues um 2,1 Prozent und France Telecom um 1,1 Prozent. Große international aufgestellte Konzerne verbuchten dagegen Gewinne. Der Aktienkurs des Luxusgüterkonzerns LVMH zog dagegen um zwei Prozent an, Carrefour gewannen 1,4 Prozent. Den Titeln half Händlern zufolge auch, dass sich der Einzelhandelskonzern aus Indonesien zurückzieht.

BANKWERTE EUROPAWEIT SCHWÄCHER

Dauerbrenner am Markt blieben die Haushaltsverhandlungen in Amerika und die Debatte um den griechischen Schuldenabbau. "Aus den USA müssen konkrete Ergebnisse kommen, um dem Markt noch einmal einen neuen Schub zu geben, und bezüglich der Verhandlungen rund um Griechenland ist Abwarten angesagt", sagte ein Händler. In Washington hatten sich Demokraten und Republikaner im Haushaltsstreit zuletzt etwas angenähert, und damit an Finanzmärkten rund um den Globus für gute Stimmung gesorgt. Die Beratungen zu Griechenland sind für den späten Nachmittag angesetzt, ganz oben auf der Agenda steht die Frage, wie Finanzierungslücken bis zum Jahr 2014 geschlossen werden sollen.

Europaweit schlug sich die Nervosität der Anleger mal wieder bei den Finanzwerten nieder. Der Bankenindex büßte 1,5 Prozent ein und damit deutlich mehr als der breite Markt. Hierzulande verloren Deutsche Bank und Commerzbank 3,15 und 2,45 Prozent an Wert. In Zürich konnte die Credit Suisse mit ihrem Umbaukonzept für die Konzernführung nicht überzeugen. Die Aktien fielen um 3,3 Prozent. Die Schweizer Großbank baut ihr Geschäft künftig auf nur noch zwei statt bislang drei Säulen und legt dafür Private Banking und Vermögensverwaltung zusammen. Anders als die UBS stärkt sie zudem ihr Zinsgeschäft. Analysten gingen die Pläne aber nicht weit genug. "Die Nachrichten heute wirken so ein bisschen, als versuche man, auf die von der UBS vor zwei Wochen verkündeten Änderungen zu reagieren", sagte Analyst Rainer Skierka von der Bank Sarasin. "Allerdings ohne viel zu sagen zu haben." Die UBS hatte angekündigt, in einem beispiellosen Konzernumbau ihre Investmentsparte zu schließen und bis 2015 rund 10.000 Stellen abzubauen. Seit dieser Nachricht Ende Oktober haben die Aktien mehr als acht Prozent an Wert gewonnen. Am Dienstag büßten sie im Branchentrend 2,1 Prozent ein.