Bernanke-Bemerkungen sorgen für Vorsicht an Wall Street

Mittwoch, 21. November 2012, 08:07 Uhr
 

New York (Reuters) - Investoren an der Wall Street haben nach Äußerungen von Fed-Chef Ben Bernanke über den US-Haushaltsstreit am Dienstag Vorsicht walten lassen.

Die wichtigsten Aktienindizes rutschten im Verlauf zunächst deutlich ins Minus und gingen fast unverändert aus dem Handel. Bernanke sagte, die Notenbank könne eine drohende Haushaltsklippe im kommenden Jahr nicht ausgleichen. Die Steuererhöhungen und Sparmaßnahmen würden dann greifen, wenn Demokraten und Republikaner ihren Streit nicht beilegen.

Der Portfoliomanager James Dailey vom Team Asset Strategy Fund sagte, Bernanke habe ein realistischeres Bild der Lage als die Politiker gezeichnet. Bei ihnen habe es sich in den vergangenen Tagen vor allem um PR gehandelt. Die Hoffnung auf eine baldige Lösung in dem Streit hatte die Aktienmärkte in den vorangegangenen Handelstagen angetrieben.

Auf die Stimmung drückte am Dienstag auch die Herabstufung der französischen Bonitätsnote durch die Agentur Moody's. Zudem gab der Computerhersteller Hewlett-Packard eine Milliardenabschreibung bekannt.

Der Dow-Jones-Index fiel um knapp 0,1 Prozent auf 12.788 Punkte. Er pendelte zwischen den Marken von 12.701 und 12.808. Der breiter gefasste S&P 500 schloss mit einem Plus von 0,1 Prozent auf 1387 Stellen. Der Nasdaq-Index stand fast unverändert bei 2916 Stellen. In Frankfurt schloss der Dax mit einem Plus von 0,7 Prozent auf 7172 Punkte.

Bei den Einzelwerten stand Hewlett-Packard im Blickpunkt: Der Aktienkurs des Computerherstellers fiel wegen der Abschreibung um fast zwölf Prozent. Der Konzern wies wegen der Übernahme der Softwarefirma Autonomy überraschend eine Belastung von 8,8 Milliarden Dollar aus. HP begründete den Schritt mit schweren Unregelmäßigkeiten in der Bilanz des im vergangenen Jahr übernommenen Unternehmens. Für das abgelaufene Quartal musste HP einen Verlust hinnehmen. Auch der Umsatz ging wegen eines sinkenden Marktanteils bei Computern und einer geringeren Nachfrage nach Druckern zurück.

Die Papiere des Ketchup-Herstellers H.J. Heinz verloren 2,2 Prozent, obwohl das Unternehmen dank einer starken Nachfrage in Schwellenländern und günstiger Steuereffekte im abgelaufenen Geschäftsquartal mehr verdiente als erwartet. Die Elektronikmarktkette Best Buy enttäuschte Investoren mit einem schwachen Quartalsumsatz. Die Papiere gaben um 13 Prozent nach.

Ein Lichtblick kam vom Immobiliensektor: Im Oktober wurde mit dem Bau so vieler Wohnungen wie seit Juli 2008 nicht mehr begonnen. Auf das Jahr hochgerechnet stieg die Zahl um 3,6 Prozent auf 894.000. Von Reuters befragte Analysten hatten nach 863.000 im September nun mit einem Rückgang auf 840.000 gerechnet.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 640 Millionen Aktien die Besitzer. 1662 Werte legten zu, 1323 gaben nach, und 118 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,59 Milliarden Aktien 1158 im Plus, 1280 im Minus und 115 unverändert.

 
Traders work on the floor of the New York Stock Exchange, November 20, 2012. REUTERS/Brendan McDermid (UNITED STATES - Tags: BUSINESS)