Dax- und Euro-Anleger setzen auf spätere Hellas-Lösung

Mittwoch, 21. November 2012, 11:29 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Politiker schaffen es nicht, eine Lösung für Griechenland zu finden - und die Anleger an den Aktien- und Devisenmärkten schauen kaum hin.

Denn die Investoren halten es für äußerst unwahrscheinlich, dass Griechenland noch fallengelassen wird. "Die Entscheidung ist nicht aufgehoben, nur aufgeschoben", bringt Analyst Sebastian Sachs von der Metzler Bank die Stimmung auf den Punkt. "Das ist politisches Theater." Eine Einigung werde früher oder später noch kommen, erklärt auch Suji Saito, Währungsstratege bei der Credit Agricole in Tokio. Dax und Euro gaben daher am Mittwoch nur zeitweise deutlicher nach und lagen am späten Vormittag schon wieder bei ihrem Vortagesniveau.

Die Euro-Gruppe und der Internationale Währungsfonds (IWF) waren nach zähen Verhandlungen in der Nacht daran gescheitert, sich auf eine Lösung für Griechenland zu einigen. Die Gespräche sollen nun am Montag fortgesetzt werden. Vielleicht werde dann eine Lösung gefunden, erklärt Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. Die Wahrscheinlichkeit sei hoch - sicher sei es aber nicht. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will Griechenland nun mit einer Kombination aus Zinssenkungen und einer Aufstockung des Rettungsfonds EFSF vor der Pleite bewahren, wie sie in der Unionsfraktion am Mittwoch laut Teilnehmern erläuterte. Griechenlands Premier Antonis Samaras wird am Donnerstag mit Eurogruppen-Chef Jean-Claude Junker in Brüssel zusammenkommen.

DAX & CO SCHAFFEN SOGAR EIN LEICHTES PLUS

Aufgrund der Unsicherheit hielten sich an den Finanzmärkten die meisten Anleger denn auch spürbar zurück. Der Euro notierte am späten Vormittag mit 1,2788 Dollar nur noch einen viertel US-Cent unter dem Vortagesniveau. Zuvor war er bis auf 1,2737 Dollar abgerutscht.

Bei relativ geringen Umsätzen gelang einigen Aktienindizes zeitweise sogar wieder der Sprung in positives Terrain. Der Dax notierte mit 7194 Punkten in der Spitze 0,3 Prozent höher und pendelte sich schließlich beim Vortageschluss um 7172 Zählern ein. Der EuroStoxx war kaum verändert, und auch an den Börsen in Madrid und Mailand hielten sich Gewinner und Verlierer meist die Waage. Nur an der Athener Börse überwogen die Minus-Zeichen, so dass der Leitindex ein Prozent verlor. Dies zog offenbar einige heimische Anleger an den Rentenmarkt, denn die Kurse der griechischen Anleihen legten deutlicher als ihre Pendants in der Euro-Zone zu. Der Bund-Future konnte nur wenig von seiner Funktion als sicherer Anlagehafen profitieren. Er kletterte um bis zu 26 Ticks auf 142,64 Punkte, bröckelte dann aber in Richtung des Vortagesniveaus ab.

Für die Wall Street sagten Händler einen ruhigen Handel voraus. Wegen des "Thanksgiving"-Feiertags am Donnerstag schließen die US-Börsen am Mittwoch früher. Eine ganze Reihe von US-Konjunkturdaten könnten zuvor aber für neue Impulse sorgen. Unter anderem steht der Wochenbericht vom US-Arbeitsmarkt an.

MÜNCHENER STEUERBEAMTE MACHEN SKY BEINE

Unter den Einzelwerten ragten am deutschen Aktienmarkt die im MDax notierten Sky-Aktien hervor. Mit einem Plus von bis zu 13,3 Prozent auf ein Vier-Jahres-Hoch von 4,07 Euro reagierten die Aktien auf eine Entscheidung des Münchener Finanzamtes, das einen jahrelangen Clinch mit dem Medienzar Rupert Murdoch beendete und ihm freie Bahn für den Erwerb einer Mehrheit am PayTV-Sender gab. Denn auf Basis des Bescheids verlöre Murdoch bei einer Anteilsaufstockung den in den vergangenen Jahren angehäuften Steuerbonus von 2,1 Milliarden Euro nicht mehr. "Nun könnte Murdoch seinen Anteil auf über 50 Prozent an dem ehemaligen Premiere-Sender erhöhen", erklärte ein Händler. "Eine seit Jahren unüberwindbare Hürde ist aus dem Weg geräumt."

Im Dax sorgten kritische Kommentare von Analysten für Kursverluste: So fielen Siemens um 1,4 Prozent auf 77,49 Euro, nachdem die Deutsche Bank ihre Empfehlung für die Titel auf "Verkauf" von bisher "Halten" und das Kursziel um zehn Euro auf 65 Euro gesenkt hatte. Auch die Aktien von K+S gerieten nach einer Verkaufsempfehlung unter Druck und verloren 1,4 Prozent. Die Analysten von JP Morgan waren von ihrer neutralen Einstellung auf "underweight" geschwenkt.